Schläger wandert in Haft

Andere haben eine Briefmarken-Kollektion, er sammelt Vorstrafen. Mit gerade mal 24 Jahren ist der Mann ein Gewohnheitsdieb, nimmt gelegentlich auch das Faustrecht für sich in Anspruch. Bewährung? Keine Chance für den jungen Familienvater.

Eigentlich ist das immer gleich: Wenn vor Amberger Gerichten junge Leute als Zeugen aufmarschieren und sich die Befragungen um eine Schlägerei drehen, scheint das Prinzip zu gelten: Wenig gesehen, vom Alkohol umnebelt. Zwei erschienen erst gar nicht, als die Jugendkammer des Landgerichts eine heftige Gewaltattacke am Kreisverkehr vor dem Nabburger Tor zu klären hatte.

Landgerichtspräsident Dr. Wolfgang Schmalzbauer ist in solchen Fällen kompromisslos. Er ließ die jungen Männer von der Polizei holen, schickte Uniformierte dafür bis nach Mittelfranken und machte den Zeugen klar: "Diese Kosten sind von Ihnen zu zahlen und außerdem jeweils 200 Euro Ordnungsgeld." Das freilich machte offenbar wenig Eindruck. Denn es klafften trotz heftigen Nachbohrens Erinnerungslücken, die sich kaum erklären ließen.

Auf der Anklagebank saß ein 24-Jähriger. Bekannt geworden in Franken als Gewohnheitsdieb, später nach Amberg umgezogen. 13 Vorstrafen, darunter auch eine wegen Körperverletzung. Vor knapp zwei Jahren war der Mann völlig grundlos gegen einen heute 20-Jährigen gewalttätig aufgetreten. An einem Sommermorgen gegen 6 Uhr ging der Angeklagte mit einigen anderen von einem Lokalbesuch heim. Darunter befand sich auch ein Mädchen, das ihn angeblich gebeten hatte, sie vor ihrem Ex-Freund zu beschützen.

Fausthieb ins Gesicht

Dieser Ex-Freund stand dann gegenüber dem Nabburger Tor, wollte mit seiner "Verflossenen" reden und bekam zunächst vom Angeklagten einen Fausthieb ans Jochbein. Der Täter ging ein paar Schritte weiter. Dann, so erzählte er jetzt den Richtern, habe er das Wort "Hurensohn" vernommen. Andere hörten es zwar nicht. Aber der 24-Jährige kehrte zurück und schlug mit seinem Knie wiederholt gegen den Kopf seines wehrlosen Kontrahenten, den er zu sich herabgezogen hatte. Die Folgen: erhebliche Verletzungen, Gehirnerschütterung, mehrere Tage Klinikaufenthalt.

Vom Amtsgericht hatte der Täter zwei Jahre und vier Monate Haft erhalten. Er habe einiges getrunken gehabt, sagte er damals im Prozess. Jetzt wurde er deutlicher: "Eineinhalb bis zwei Flaschen Wodka." Obwohl der Mann schon eine Entzugstherapie hinter sich hat, mochte das die Jugendkammer nicht glauben.

Danach begann eine Art Vernehmungs-Marathon. Viele Zeugen, alle damals mit dabei. Doch an Einzelheiten mochte sich keiner so recht erinnern. "Alles lange her", hörten die Richter. Manche sahen angeblich gar nichts, weil sie gerade mit ihrem Handy spielten. Andere standen ihren Angaben zufolge zu weit weg, als die Hiebe ausgeteilt wurden. Selbst das Opfer machte zwischenzeitlich eingetretene Gedächtnislücken geltend. Fest aber stand trotz viel Wodka und Whisky: Die Misshandlung war ebenso grundlos wie heftig.

Zu Wort kam auch der Bewährungshelfer des Beschuldigten. "Kein Kontakt seit langer Zeit", bedauerte er. Dann gab es von ihm die Information: "751 Tage Freiheitsstrafe sind noch offen." Über zwei Jahre also, resultierend aus Ahndungen wegen Diebstahls. Sie dürften nun, wenn der Bewährungswiderruf kommt, zu verbüßen sein.

Ein Jahr und neun Monate

"Noch eine Bewährungschance", erbat sich Verteidiger Helmut Miek für seinen Mandanten. "Kein Anlass zur Bewährung", entgegnete Staatsanwältin Franziska Bücherl. Sie forderte zwei Jahre und zehn Monate für den Wiederholungstäter. Die Jugendkammer verhängte ein Jahr und neun Monate Haft, die nun von dem jungen Familienvater abzusitzen sind. Neben der Körperverletzung ist im Urteil auch der Schuldspruch für eine Diebstahlserie enthalten. Dabei hatte der 24-Jährige am Amberger Bahnhof Teile abgestellter Fahrräder entwendet.
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