Schlag gegen die Taubenplage

Noch gibt es kein Nutzungskonzept für den Schmalzstadl in der Neustift. Die Stadt hat das historische Gebäude erst Ende vergangenen Jahres erworben. Als Quartier für den zentralen Taubenschlag der Altstadt scheint der Dachstuhl des Hauses jedoch bestens geeignet. Wenn die Vögel unter dem grünen Kupferdach brüten, werden aus den Nestern die Eier entfernt. So soll sich die Population binnen 15 Monaten um rund 90 Prozent reduzieren. Bild: Hartl

Lange hat die Stadt zugeschaut, jetzt will sie handeln. Um die Taubenpopulation zwischen Bahnhof und Malteser zu reduzieren, sollen die Vögel an der Brut gehindert werden. An einem Standort, der nicht allen gefällt.

Erst Ende vergangenen Jahres hat die Stadt den historischen Schmalzstadl in der Neustift gekauft. Über seine künftige Nutzung ist noch lange nicht entschieden. Eine Funktion aber wird das denkmalgeschützte Bauwerk schon in wenigen Wochen erfüllen. Der Dachstuhl beherbergt ab Juni einen Taubenschlag mit mehreren Lockvögeln, aus dem ein Experte in der Brutzeit die Eier entfernt. Er legt dann Plastik-Duplikate in die Nester mit dem Effekt, dass die Tiere keinen Nachwuchs mehr großziehen.

Nur noch zehn Prozent

Der Hauptausschuss des Stadtrates genehmigte am Donnerstagnachmittag einstimmig dieses Vorgehen, um der Taubenplage in der Altstadt Herr zu werden. Auf diese Weise, so unterstrich Rechtsreferent Dr. Bernhard Mitko, sei eine "tierschutzgerechte und dauerhafte Regulierung des Taubenbestandes" möglich. Er verwies auf ein ähnliches Vorgehen auf dem Campus der Universität Regensburg. Dort sei die Population der Vögel innerhalb von 15 Monaten um rund 90 Prozent gesunken. Den gleichen Erfolg verspricht ein Gutachter auch der Stadt Amberg. 260 Tauben hat er im Einzugsbereich des Schmalzstadls gezählt. Im Herbst 2016 sollen nur noch 20 bis 30 davon übrig sein. Um die Anzahl der Vögel in der gesamten Altstadt abzusenken, so schränkt der Sachverständige ein, seien allerdings zwei Taubenhäuser an unterschiedlichen Standorten erforderlich. In Amberg wird es die Geburtenkontrolle für Tauben zunächst nur im Schmalzstadl geben - zum Missfallen der Nachbarn in der Neustift. Denn dort, so heißt es in einem offenen Brief eines Anwohners an die Stadtratsfraktionen, gebe es bisher keine Probleme mit den Tieren. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Vögel nun ausgerechnet und massenweise an diese Stelle gelockt werden sollen. Die Eigentümer der angrenzenden Gebäude sehen die Fassaden schon vom Taubenkot verschmutzt.

"Ich habe Verständnis für diese Bedenken", erklärte Mitko vor dem Gremium. "Besser wäre natürlich ein Platz näher im Zentrum gewesen. Aber wir haben bislang keine Alternative." Seine Abteilung habe händeringend nach anderen Standorten gesucht, sei bei privaten Hauseigentümern aber abgeblitzt. "Es sind also nur städtische Gebäude geblieben." Außerdem habe berücksichtigt werden müssen, dass beim Aufstellen des Taubenschlags keine zusätzlichen Umbaukosten in den Gebäuden anfallen. "Wir können in einen bestehenden Dachstuhl ja nicht extra ein Treppenhaus einbauen."

30 000 Euro im ersten Jahr

Das Projekt gibt's ohnehin nicht zum Nulltarif. 30 000 Euro lässt sich die Stadt die Brut-Voliere und ihre Betreuung im ersten Jahr kosten. Sollten sich nach der Startphase Ehrenamtliche finden, die regelmäßig in den Taubenschlag steigen, Futter ausbringen und Eier entfernen, würden sich die Kosten erheblich reduzieren. Auf Anregung von CSU-Stadtrat Rupert Natter kommt die Stadt den Anwohnern insoweit entgegen, dass nach 18 Monaten Zwischenbilanz gezogen wird. Dann könne reagiert werden, sollten sich gravierende Probleme ergeben. Rechtsreferent Mitko versprach, die Leute demnächst umfassend über das Vorgehen zu informieren.
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