Schlangestehen am Teleskop

"Mein Opa war Schweißer", sagte dieser Schüler des Gregor-Mendel-Gymnasiums. Das war am Freitagvormittag nicht zu übersehen. Bild: gf

Amberg im Bann der Sonnenfinsternis: Mehr als 500 Schaulustige pilgerten am Freitagvormittag zum Multifunktionsplatz, um das Ereignis zu beobachten. Ein Geschenk des Himmels - vor allem für die Freunde der Volkssternwarte.

"Wir sind total überwältigt von dem Andrang", freute sich Holger Berndt vom Förderverein der Volkssternwarte Amberg-Ursensollen. "Vor einer Woche hatten wir noch gedacht, wir stellen da zwei, drei Teleskope auf, und das war's dann." Von wegen! Zu Hunderten strömten die Sternengucker ab 9 Uhr zum Multifunktionsplatz gegenüber des Bahnhofs.

Etliche Arztpraxen und Büros hatten ihre Mittagspause vorverlegt, um ihren Mitarbeitern einen Blick auf die schwarze Sonne zu ermöglichen. Ganze Schulklassen traten an, um durch die insgesamt rund 5000 Euro teuren Teleskope zu schauen. Vor den Spezial-Fernrohren bildeten sich lange Schlangen. Holger Berndt hatte ein Gerät mitgebracht, das sich besonders gut für Sonnenbeobachtungen eignet. Ein Filter lässt nur die roten Lichtwellen durch, wodurch die genaue Struktur der obersten Sonnenschicht mit den Sonnenfackeln und Filamenten sichtbar wird. Damit brachte der Vereinschef das Publikum zum Staunen. Denn wer hindurchblickte, der sah am rechten oberen Rand der Sonne einen Sturm toben, der gigantische Eruptionen freisetzt - die Ursache für die Polarlichter, die in den vergangenen Nächten auch über der Oberpfalz zu sehen waren. "Das ist ja Wahnsinn", entfuhr es einem restlos begeisterten Rentner. "Dass man das so genau sehen kann, habe ich mir nicht vorstellen können."

Alle Flyer vergriffen

Astronomie pur zwischen Asia-Imbiss und Bürgerskulptur - und das ausgerechnet zum Internationalen Tag der Astronomie (21. März). "In den vergangenen Jahren hatten wir uns für dieses Datum immer große Mühe mit dem Programm gegeben", erzählte Berndt. "Und jedes Mal machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung." Heuer war alles anders. Die Flyer des Fördervereins waren im Nu vergriffen, die Brezen und die Getränke, die die Mitglieder mitgebracht hatten, ebenso.

OTH-Professor Matthias Mändl setzt nun noch eins drauf. Heute um 19.30 Uhr hält er in der Sternwarte in Ursensollen einen Vortrag über "Himmlische Schattenspiele". Neben einer Nachlese zum Spektakel vom Freitag gibt es einen Blick auf die Sonnenfinsternis, die sich am Samstagabend auf dem Planeten Jupiter vollzieht. Die Wetteraussichten sind nicht die besten. Möglicherweise verdecken Wolken den Himmel. Doch die Sternwarten-Freunde hat nach dem Erfolg vom Multifunktionsplatz nichts mehr um. "Wir warten auf Gäste auch wenn es stürmt oder schneit", versicherte Mändl.

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