Schlechte Note für Schulpolitik

Den neuen Vorstand des BLLV-Kreisverbands Amberg-Stadt bilden Annette Weber, Claudia Koller, Andrea Hiltl, Albert Schindlbeck, Christine Markl (vorne von links), Thomas Gebele, Tanja Fahrnholz, Karin Jacob-Witteler, Renate Kulzer-Nörtemann, Anja Decker (zweite Reihe von links), Stephan Ottmann, Heinz Kotzbauer und Udo Behn (hinten von links). Bild: gf
Lokales
Amberg in der Oberpfalz
18.06.2015
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Statistiken, Befragungen, Evaluation: Bayerns Lehrer und Schulleiter stöhnen angesichts der extremen Bürokratisierung und Verrechtlichung der Schule.

"Die Fülle an zusätzlichen Aufgaben ist mittlerweile so vielfältig und umfassend, dass die Pädagogik immer mehr in den Hintergrund rückt - obwohl doch gerade sie im Mittelpunkt stehen müsste", kritisierte Albert Schindlbeck, BLLV-Kreisvorsitzender Amberg Stadt bei der Generalversammlung des Kreisverbandes Amberg-Stadt.

Nicht doppelt und dreifach

Sein Verband wende sich nicht gegen die Steuerung von Schule - im Gegenteil: "Rechenschaft ablegen zu müssen, ist im Rahmen moderner Schulentwicklungsprozesse sinnvoll und notwendig." Man wehre sich aber dagegen, alles doppelt und dreifach erledigen zu müssen und angesichts der Verdichtung der Aufgaben zerrieben zu werden. Zentrale Voraussetzung für die Verwirklichung eines pädagogischen Profils einer Schule seien moderne und zeitgemäße Organisationsformen und Verwaltungsstrukturen.

Überbordende Bürokratie sei hinderlich, genauso wie Regelflut, die die Innovations- und Gestaltungsfreiheit behindere. Das Problem: Aufgaben, die moderne Steuerungsprozesse von Schulen mit sich bringen, prallen nach Worten von Schindlbeck auf alte Strukturen. Das führe zu Kollisionen und massivem Mehraufwand. Schulleiter, die Befragungen durchführen und unzählige Statistiken erstellen müssen, seien vielfach gezwungen, die Daten händisch und zusätzlich am Computer einzugeben.

"Man kann nicht moderne Schulen wollen und entsprechende Aufgaben delegieren, gleichzeitig aber an althergebrachten Verfahrensweisen festhalten", betonte der BLLV-Vorsitzende. Lehrkräfte und Schulleiter müssten angesichts der Überregulierung kapitulieren. Schindlbeck führte aus, dass der BLLV zum einen den Abbau von Bürokratie in der Schule, zum anderen mehr Freiheiten und Eigenverantwortlichkeiten für Schulleitungen und Lehrerkonferenzen, insbesondere bei pädagogischen Entscheidungen, fordere. Ebenso wichtig sei, dass Schulleiter intensiv auf die komplexen und vielfältigen Aufgaben vorbereitet würden.

Zugang zum Behördennetz

Neben vielen pädagogischen Aspekten gehe es zum Beispiel um Inhalte, die Personalführung, Schul-, Verwaltungs- und Dienstrecht betreffen. Überfällig sei es, ihre Unterrichtspflichtzeit zu reduzieren. Um die Verwaltungsarbeit zu erleichtern, ist es nach Schindlbecks Auffassung sinnvoll, den Schulleitern und Schulämtern einen uneingeschränkten Zugang zum bayerischen Behördennetz zu ermöglichen. Hilfreich seien darüber hinaus einheitliche Büro-Strukturen an allen Schulen. Verbesserungen hält der BLLV-Vorsitzende im Bereich der Datenverwaltung für dringend erforderlich: "Schulen brauchen eine verlässliche, funktionierende und vor allem einheitliche Datenverwaltung". Er regte an, eine Datenbank zu erstellen, die die wichtigsten und gültigen Inhalte für die Schulen zusammenfasse und jeweils auf die Gültigkeitsdauer dieser Publikationen verweise. Installiert werden müsse dafür ein verbraucherfreundliches Suchsystem.

Der BLLV appelliert an Kultusministerium und schulpolitisch Verantwortliche, die Fülle von Maßnahmen zu überdenken und auf das Notwenige zu reduzieren. Langfristiges Ziel müsse eine ökonomische und effiziente Verwaltung von Schule sein.
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