"Schlendrian" nennt
Penibler Beobachter der Umwelt

Nach dem Fall der Berliner Mauer hielt Peter Angermann einen auf bayerischen Straßen fahrenden Trabbi auf Leinwand fest. Die Zeitgeschichte von heute, die der Künstler der Nachwelt erhalten möchte, heißt Windräder (Bild) und ist im Kunstkombinat an der Neustift zu sehen. Bild: frj
Professor Peter Angermann seine Ausstellung, für die er zur Vernissage ins Kunstkombinat geladen hatte. Warum Schlendrian? Weil sich der Künstler gerade danach fühlt.

Der Einladung waren auch Künstlerkollegen aus Amberg und Nürnberg gefolgt, wo Angermann an der Akademie der Bildenden Künste lehrte. Mitglieder des A.K.T.-Kunstvereins, der für die Ausstellung verantwortlich zeichnet, und Studenten sowie zahlreiche Kunstfreunde bewunderten die Werke, die aus dem letzten Vierteljahrhundert des Angermann'schen Schaffens stammen.

"Schlendrian" deshalb, weil dies des Künstlers derzeitige Befindlichkeit ausdrückt, und "weil es bisher noch keine Ausstellung mit diesem Titel gab", wie er mit einem verschmitzten Lächeln hinzufügt. Er ist also ein Mann mit Humor, den man bei genauerer Betrachtung der Bilder auch immer wieder finden kann. Neben der rein ästhetischen Betrachtung, der Peter Angermann seine Umwelt unterzieht, kommen auch immer wieder witzig-philosophische Anspielungen in seinen Werken vor.

Großen Raum nehmen die Betrachtungen der Landschaften Nordbayerns ein. Heftig und grob aufgetragen zeigen diese Bilder die Schönheit der Gegend und das spezielle Licht von Sommernachmittagen. Die reinen Farbtöne erzeugen starke Kontraste, der Eindruck ist realistisch und manchmal überhöht. Die Sichtweise des Künstlers nimmt die Route eines Wanderers auf, der sich seinem Ziel nähert und sich fragt, was ihn wohl dahinter noch erwarten würde, welche Formen der Horizont annimmt, wenn man sich ihm nähert.

"Die Malerei ist ein Kürzel für die Realität" führte Johann Sturcz aus, der einen kurzen Überblick über das Schaffen Peter Angermanns gab. "Es wird festgehalten, was für das Thema wichtig ist. Auf dieser symbolischen Ebene wirken die Bilder wie Erinnerungen, also nicht wie die direkte Wahrnehmung. Sie werden über Codes aufgeschlüsselt", sagte Sturcz. Hier kann der Betrachter dem Experten nur zustimmen, wenn er sich eingehend mit den Bildern beschäftigt. Denn selbst Schriftzeichen, die Angermann in seine Bilder einbaut, sind mehr als nur Worte, sondern Teil des Dargestellten und erhalten damit eine doppelte Bedeutung.

Peter Angermann ist beileibe kein Verfechter der abstrakten Kunst. Manche Bilder wirken geradezu fotorealistisch. Aber er verändert die Umwelt, die er auf Leinwand bannt. Eines seiner großflächigen Werke nennt er "Krümmung des Raumes". Dabei bedient er sich allerdings nicht der physikalischen Bedeutung dieses Begriffs, sondern lässt einfach eine urbane Umgebung vom Vertikalen ins Horizontale kippen und hinterfragt damit unsere eingeengte Blickweise auf das Alltägliche. Und er ist ein penibler Beobachter der Entwicklung unserer Umwelt. In mehreren Bildern hat er beispielsweise die einzelnen Bauphasen von Windrädern dokumentiert. Oder unter dem Titel "1989" die damalige Zeitgeschichte dadurch erfasst, dass er einen Trabbi auf bayerischen Straßen für porträtierenswert erachtete.

Die Ausstellung ist bis Samstag, 20. Juni, im Kunstkombinat, Neustift 47, zu den A.K.T.-üblichen Öffnungszeiten (Freitag von 15 bis 18 Uhr und Samstag von 14 bis 18 Uhr) zu sehen.
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