Schnäppchen-Jagd beim Heizölhändler - längere Lieferzeiten
Öl verkauft sich wie geschmiert

Einmal volltanken bitte: 11 500 Liter Heizöl fasst eine Fuhre eines Tank-Lkw, mit dem üblicherweise Privathaushalte beliefert werden. Da angesichts des derzeit äußerst günstigen Preises auch zu Hause im Heizungskeller vollgetankt wird, hat die Branche ungewöhnlich viel zu tun und es kann zu Lieferzeiten von bis zu zehn Wochen kommen. Bild: Hartl

Rohöl ist auf dem Weltmarkt so günstig, wie seit vier, fünf Jahren nicht mehr. Der Verbraucher freut sich und füllt den Tank im Keller. Selbst, wenn er vor wenigen Wochen noch halbvoll über den Winter kommen wollte.

Draußen nasskaltes Schmuddelwetter, Sonne verheißende Samba-Rhythmen im Telefonhörer. In dieser Hinsicht spendet die Warteschleife etwas Trost, bis bei dem Heizölhandel Hirschmann jemand abhebt. Dann noch die erhoffte gute Nachricht. Die Branche bietet derzeit in der Region (bei einer Liefermenge von 3000 L) den Liter für um die 56 Cent inklusive Steuern an. Das bestätigt auch Mineralöl-Bergler, und beide Firmen haben mehr als gut zu tun.

"Es ist ja faktisch günstig", sagt Hirschmann-Geschäftsführer Thomas Reiner. "Du machst heute nichts falsch, wenn du kaufst." Diese Sätze untermauert der Heizölhändler ohne Zögern mit Zahlen. Im Januar 2013 beispielsweise hatte der Kunde noch 88, 89 Cent für den Liter auf den Tisch blättern müssen. "30 Cent, das ist schon ein Wort", beschreibt er die so von niemandem prognostizierte aktuelle Situation auf dem Markt.

Es sei vor ein paar Wochen viel Bewegung ins Geschäft gekommen, konstatiert gleichfalls Rainer Stammler, Betriebsleiter bei Bergler. Ende November, Anfang Dezember habe der Trend eingesetzt, dass der nachgebende Rohölpreis auf dem Weltmarkt auf den Handel vor Ort durchschlage. Das Geschäft brumme, die Lieferzeiten würden länger, die firmeneigenen Tankzüge seien voll ausgelastet. Dabei hätte der die Nachfrage ankurbelnde Klassiker Kälte die Brache in diesem Winter bisher weitgehend im Stich gelassen.

Taktik geändert

Der Preis macht also derzeit die Geschäftsmusik und wirbelt das gewohnte Kaufverhalten aus der Sicht des Handels spürbar durcheinander. Als "Mitnahmeeffekte" oder die Jagd auf "Schnäppchen" beschrieben Stammler und Reiner das momentane Bestellverhalten. Heizölkunden würden seit eh und je mit einem gewissen taktisch spekulativen Kalkül an die Sache herangehen. Schließlich seien saisonbedingte, politische oder marktbedingte Schwankungen beim Heizöl überhaupt nichts Neues. Im langfristigen Trend allerdings immer nach oben weisend.

Die "drastisch fallenden Preise" (Reiner) der zurückliegenden Wochen hätte jedoch keiner so recht auf dem Radar gehabt. Also werde jetzt zugelangt, selbst wenn erst im Herbst für den Winter geordert worden war. Die bisher ungewöhnlich milde Witterung habe die Vorräte sicherlich noch nicht nennenswert aufgezehrt, überschlagen die beiden Händler den allgemeinen Saisonverbrauch und kommen zu dem Schluss, dass angesichts des im Vergleich zu den Vorjahren konkurrenzlos günstigen Preisniveaus Heizöl gebunkert werde, was die Tankkapazitäten hergeben würden.

Nicht marktrelevant

Zur weiteren Entwicklung wollte sich der Zwischenhandel nicht festlegen, aktuell sei eine gewisse Beruhigung eingetreten. Und an der Weltmarkt-Preisschraube drehen ganz andere Faktoren als der regionale Markt.
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