Schneller sein als der Schmerz

Sind die Schmerzen erst einmal da, kann es schon zu spät sein. Hausarzt Dr. Thomas Hohenstatt untersucht die Bauchschlagadern seiner Patienten deshalb regelmäßig mit dem Ultraschall. Bild: hfz

Das Klinikum und das Ärzte-Netzwerk Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte (UGOM) machen sich für die Männergesundheit in der Region stark. Konkret geht es um die Prävention von Bauchaorten-Aneurysmen. Das Pilotprojekt ist in Deutschland einmalig.

Amberg. (tk) Dabei handelt es sich laut einer Mitteilung aus dem Klinikum um krankhafte Erweiterungen der Bauchschlagader, die - zu spät erkannt - zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen können. Betroffen seien vor allem Männer ab dem 65. Lebensjahr. Die Gefäßspezialisten von St. Marien arbeiten laut Klinikumssprecherin Stephanie Gräß bei dem neuen Vorsorgeprogramm mit den niedergelassenen Hausärzten Hand in Hand. UGOM-Mediziner übernehmen demnach im Normalfall die Untersuchung der Bauchschlagader mittels Ultraschall.

Nur für fünf Minuten

Dieses sogenannte Screening ist laut Presse-Info für die Patienten völlig schmerzfrei und dauere nicht mehr als fünf Minuten. Gräß: "Fünf Minuten, die im Ernstfall Leben retten können." Denn je mehr sich die Arterie weite, desto mehr steige die Spannung und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Wand reißt. Beträgt der Durchmesser des Aneurysmas beispielsweise weniger als drei Zentimeter, seien vorerst keine weiteren Maßnahmen notwendig. Arterienerweiterungen, die größer, aber unbedenklich sind, dokumentiere der Hausarzt und lade den Patienten nach etwa einem Jahr zur Verlaufskontrolle in die Praxis ein.

Sieht die Bauchschlagader dagegen auffällig aus, überweise der Hausarzt den Patienten direkt an die Gefäßspezialisten des Klinikums St. Marien, die alle notwendigen therapeutischen Schritte einleiten könnten. "Ganz nach dem Motto, frühzeitig entdecken, beobachten und bei Bedarf schnell handeln, können wir so viel schneller intervenieren und die Anzahl von Notfällen hoffentlich reduzieren", wird Ärztlicher Direktor Dr. Harald Hollnberger zitiert.

Für AOK-Versicherte, die zu den sogenannten UGOM-Netzpatienten gehören, ist das Screening laut der Pressemitteilung kostenlos. Dabei handle es sich um eine vertragliche Zusatzleistung, die es so bisher in Deutschland nicht gibt. "Bis dato kamen Patienten mit arteriellen Erweiterungen der Bauchschlagader häufig nur durch Zufallsbefund zu uns - oder noch schlimmer über die Notaufnahme", sagt Dr. Ioannis Rafailidis, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin.

Meist ohne Symptome

Hausarzt Dr. Thomas Hohenstatt ergänzt: "Das liegt daran, dass die Erweiterung der Arterien meist ohne Symptome verläuft. Wenn Schmerzen auftreten, ist es oft zu einem Riss in der Gefäßwand gekommen."
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.