Schock nach Plattform-Pleite

Dort, wo früher der alte OP-Trakt war, entsteht für 60,2 Millionen Euro der vierte Bauabschnitt des Klinikums. Auf dem Dach sollten noch in diesem Jahr die ersten Rettungshubschrauber landen. Doch daraus wird wegen einer Firmeninsolvenz vorerst nichts. Bild: Steinbacher

Die aktuelle Erweiterung des Klinikums ist die größte und teuerste Baustelle im Stadtgebiet. Auf acht Ebenen mit 5370 Quadratmetern werden für 60,2 Millionen Euro 14.000 Tonnen Beton und 1165 Tonnen Stahl verbaut. Bislang befanden sich alle Arbeiten im Zeitplan. Doch dann geschah das Unvorhersehbare.

Im Notfall zählt jede Sekunde. Schwerverletzte, die auf dem Luftweg nach St. Marien kommen, mussten bis 2012 den relativ weiten Weg von der alten Landefläche hinter dem Kindergarten St. Martin bis zum Klinikum auf sich nehmen. Teilweise wurden Patienten dort sogar mit dem Sanka abgeholt und in die Notaufnahme gebracht. Auch die aktuelle Übergangslösung auf dem Bahngelände ist nicht optimal. Besserung ist allerdings in Sicht. Oder besser gesagt: War in Sicht. In diesem Jahr sollte der vierte Bauabschnitt des Klinikums fertig sein - inklusive einer Hubschrauber-Plattform. Doch diese wird es so schnell nicht geben. Die ausführende Firma aus Österreich ist insolvent, wird abgewickelt und wirft das Klinikum zurück auf Null.

Firma wird abgewickelt

"Sie hatten sehr viele Referenzen", sagt Vorstand Manfred Wendl über die Vorarlberger, die zudem die wirtschaftlichsten Anbieter waren: "Deswegen haben sie ja auch den Auftrag bekommen." In diesen Tagen hätte die Plattform montiert werden sollen, die ersten Landungen waren für den Herbst geplant. Doch die zuständige Firma aus der Alpenrepublik begann Ende vergangenen Jahres gar nicht erst wie von Architekt Erhard Retzer vorgesehen. "Anfang Oktober haben wir die Mitteilung bekommen, dass ein Sanierungsverfahren läuft."

Im direkten Anschluss habe es mehrere Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter gegeben, bevor es im Dezember zu einer Gläubigerversammlung gekommen sei. Das Ergebnis: "Dort wurde die Abwicklung der Firma beschlossen." Das Problem: Die anderen Bieter, die sich ebenfalls um den Millionenauftrag des Klinikums beworben hatten, standen so spontan nicht mehr zur Verfügung. "Wir mussten neu ausschreiben", gibt der Klinikumsvorstand zu bedenken und verweist auf das aktuell laufende Verfahren. Abgabetermin sei im August: "Wir wollen den Auftrag möglichst schnell vergeben." Dennoch werde sich die Bauzeit voraussichtlich um ein Jahr verzögern. Der neue Turm, auf dessen Dach die Plattform inklusive Beleuchtung, Löschanlage und Entwässerung installiert wird, liege aber im Zeitplan und gehe im Januar 2016 in Betrieb. Wendl hat es gelernt, mit der Insolvenz-Nachricht umzugehen, die zunächst ein gewaltiger Schock gewesen sei: "Es hilft ja nichts. Mit so einer Situation muss man leben."

Der Klinikumsvorstand kann auch deswegen ruhiger schlafen, weil sich der finanzielle Schaden in Grenzen halte: "Zur Zeit des Insolvenzverfahrens war an die Firma kein einziger Cent gezahlt." Zwar hätten die Vorarlberger mit den Vorarbeiten begonnen, doch eine erste Abschlagszahlung sei vertraglich für einen späteren Zeitpunkt vereinbart gewesen.

Bis zu 2,5 Millionen Euro

Ob sich ein Jahr nach der ersten Ausschreibung der ursprünglich einkalkulierte Kostenrahmen von 2,3 bis 2,5 Millionen Euro halten lässt, kann Wendl nicht sagen. Aber auch hier ist der Klinikumsvorstand zuversichtlich: "Ich gehe fest davon aus, dass wir wieder konkurrenzfähige Preise bekommen." Zwar werde das Bauen immer teurer, doch das gelte in erster Linie für den privaten Bereich und weniger für Spezialfirmen, die für Krankenhäuser tätig sind.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.