Schöffengericht sieht Mordversuch und gibt Verfahren ab
Zur Schwurkammer

Wollte er seine Mutter töten? Nach zweitägiger Beweisaufnahme ist das Verfahren wegen schwerer Brandstiftung gegen einen 35-Jährigen vom Amberger Schöffengericht zur Schwurkammer des Landgerichts verwiesen worden. "Nach unserer Auffassung war es versuchter Mord", ließ Richter Markus Sand anklingen.

Der Tötungsvorsatz stand von Beginn an im Raum. Doch dem Schöffengericht lag eine Anklage wegen schwerer Brandstiftung vor, und es prüfte in einer umfangreichen Beweisaufnahme alle Umstände, die zu dem Verbrechen geführt hatten. Die Brandlegung in einem Wohnhaus im östlichen Landkreis gab der 35-jährige Angeklagte sofort zu. Doch wollte er seine Mutter töten? "Das war keinesfalls meine Absicht", ließ er durch seine Verteidigerin Claudia Schenk (Regensburg) erklären.

Gewusst, was er macht

Die Anwältin kämpfte für ihn. Doch schon am ersten Verhandlungstag (wir berichteten) hatten sich Auffälligkeiten ergeben. Nach dem Tod seines Vaters, an dem der Beschuldigte offenbar sehr hing, hatte der 35-Jährige Vorkehrungen getroffen, die nicht auf eine - wie er behauptete - "Kurzschlusstat" schließen ließen. Er packte die vormals seinem Vater gehörenden zwei Hunde in sein Auto, verstaute persönliche Dokumente im Pkw, nahm eine Schleife von dem Kranz mit, den er für seinen Vater gekauft und niedergelegt hatte. Dann schüttete er Nitroverdünnung auf einer Treppe zum Obergeschoss aus.

Bevor der 35-Jährige Feuer legte, kam es durch eine geschlossene Tür noch zu einem kurzen Dialog mit seiner Mutter (60), die sich bereits ins Bett gelegt hatte. "Wer ist da?", fragte sie. "Ich bin's", antwortete ihr Sohn. "Sie haben die Frau in Sicherheit gewiegt", sagte jetzt der Schöffengerichtsvorsitzende Markus Sand.

Als die Flammen züngelten, fuhr der 35-Jährige davon. Was er nicht ahnte, war: Das Feuer im Treppenhaus erlosch von selbst. Die Mutter hatte Brandgeruch wahrgenommen, war Hals über Kopf zum Nachbarn gerannt und hatte dort mitgeteilt: "Der zündet das Haus an!". Zu dieser Zeit stand der 35-Jährige bereits am Grab seines Vaters auf dem Ortsfriedhof. Dann fuhr er zum Eixendorfer Stausee, machte kehrt und kam zum Tatort zurück.

Am zweiten Prozesstag stand ein Gutachten der Psychiaterin Dr. Anna Wunder-Lippert (Nürnberg) im Mittelpunkt. Sie ließ anklingen, dass der offenbar Alkohol gewohnte Angeklagte über zwei Promille hatte und damit in seiner Steuerungsfähigkeit sicher beeinträchtigt war. "Doch er wusste, war er machte", attestierte die Ärztin. Denn Einsichtsfähigkeit sei vorhanden gewesen.

Nicht zuständig

Unmittelbar danach brach Richter Sand den Prozess ab. Nach einstündiger Beratungspause mit den Schöffen verwies er das Verfahren zum Schwurgericht beim Landgericht Amberg. "Es kam dem Angeklagten darauf an, Feuer zu legen, damit seine Mutter zu Tode kommt", sagte Sand und wertete das Vorgehen des Mannes als "heimtückisch". Die Steuerungsfähigkeit sei zwar beeinträchtigt gewesen. "Aber Einsicht war da." Deswegen stufte der Richter das Verbrechen als Mordversuch in Verbindung mit schwerer Brandstiftung ein: "Und dafür sind wir zur Aburteilung nicht zuständig." (Seite 3)
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.