Schöpferische Freiheit muss man einem Künstler schon zubilligen. Deshalb kann ein El Mago Masin auch sein Programm "Rolle rückwärts" anbieten, also am Ende beginnen und am Anfang aufhören. Klingt komisch. Ist es auch.
Komisch, kurios und chaotisch

Kann man diese Haare waschen? "Ja - ich tu"s aber nicht." El Mago Masin nimmt sich selbst gerne mal auf die Schippe. Das Besondere an seinem Programm ist aber, dass es mit dem Schlussapplaus beginnt und mit der Begrüßung endet. Bild: Steinbacher
Der große Baselitz stellte seine Bilder ja auch irgendwann mal auf den Kopf. Im Handumdrehen war er berühmt und seine verkehrten Bilder erzielen Höchstwerte auf dem Kunstmarkt. Okay, ob das System bei dem Comedy-Tramp mit den Rastalocken bis zum Gesäß jetzt auch zum Megaerfolg führt, mag dahingestellt sein, aber amüsant und lustig war der vierte Sommerfestivalabend mit ihm im gut besuchten Innenhof der Stadtbibliothek auf jeden Fall.

Der Kunst geht es nicht um das einfache Übertragen von Mitteilungen. Kommunikation als Prozess erfahrbar machen, Inhalte auflösen und das Sehen lenken, das ist das Ziel. Und das geht am besten, wenn alles einmal von einer anderen Perspektive aus betrachtet wird. Bei Kabarett und Comedy nennt man dies die Rückwärts-Strategie, und die funktioniert so: Der Abend beginnt mit der abschließenden Show-Kritik zwischen Techniker und El Mago Masin vor der Bühne: "A bissl mehr Power hätt schon sein können!", sagt der Techniker. "Also der Schlussapplaus war großartig - Standing Ovations hatte ich schon lang nimmer", strahlt Masin. Damit geht's los.

Ein Filmchen flimmert rückwärts, bunte Lichter flammen auf und der Mann von der Filzkopf-Allianz mit der Gitarre in der Hand klettert auf die Bühne und beantwortet die Frage aller Fragen: "Kann man diese Haare waschen?" Antwort: "Ja - ich tu's aber nicht." Dafür aber singt und plaudert er durchs Programm: von der Sechs-Wochen-Regel und von der Öko-Liebe, die so gerne Kirschkern-Kopfkissen bastelt. Beim traditionellen Abendläuten von der Martinskirche will er den Herrn Fischer, den er gar nicht kennt, der aber normalerweise doch immer da ist", anrufen, was leider nicht klappt. Vielleicht ist der ja auf der Ü-70-Party wovon er ebenfalls Absonderliches zu berichten weiß. Er öffnet Schubladen voller Gefühl, um dann wieder Absurdes zum Besten zu geben. Nach dem Motto: "Statt Traditionsbegräbnis ein Erlebnis" - zum Beispiel im Wellnessbad. Sein Mix aus Komik, Lied und Nonsensgeplauder kommt beim Publikum bestens an. Seine Songs treffen ins Schwarze. El Mago Masin, ein gebürtiger Franke, der mit bürgerlichem Namen Wolfgang Masin heißt, ist ein bisschen verrückt, ein bisschen verquer und ein bisschen schräg.

Er lässt sich schwer einordnen, weder in die Riege der Liedermacher, noch in die der Kabarettclowns. Er zeigt Charakter und schwimmt etwas abseits vom Mainstream. Das macht ihn und sein originelles Rolle-Rückwärts-Programm sehr sympathisch.
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