Schriftsteller Friedrich Brandl liest aus seinem Buch über die 60er Jahre - "Die Zeit nicht ...
Über die Schockwellen der Roaring Sixties

Friedrich Brandl erzählt in seinem Buch "Glock"n"Roll" vom Leben in Amberg und Umgebung in den 1960er Jahren. Bild: Huber
Das Beben der Roaring Sixties - es erreichte Amberg erst mit Verspätung. Und als die Erschütterungen hier ankamen, dann trafen sie auf Wellenbrecher einer etablierten konservativen Gesellschaft, die es damaligen Jugendlichen nicht leicht machte, ihren Lebensweg zu finden.

Friedrich Brandl hat darüber, über eine "Jugend im Schatten der Martinskirche" vor drei Jahren schon im Lichtung-Verlag in Viechtach seinen Erinnerungsband "Glock'n'Roll" vorgelegt. Daraus liest der zuletzt mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz in der Kategorie Literatur ausgezeichnete Schriftsteller am Freitag, 20. März, um 19 Uhr in der Buchhandlung von Brigitte Müller in der Georgenstraße 43.

Sie sind der Amberger Chronist der 1960er Jahre: Wenn Sie drei wesentliche Unterschiede zu heute nennen müssten, was kommt Ihnen da in den Sinn?

Brandl: Erstens: Wie wir als junge Menschen unsere Freizeit gestalteten, das war ganz anders als heute. Wir brauchten keine großen technischen oder medialen Mittel - sondern fuhren ins Zeltlager, auf Wanderurlaube, wir musizierten viel oder besuchten den Jazzkeller in Amberg. Zweitens: Das Kommunikationsverhalten war ein ganz anderes. Man war nicht so leicht am Telefon erreichbar. Und das war auch oft gut so. So mussten Termine oder Dates fest ausgemacht werden, oft schon eine Woche vorher. Und: Man hielt sich dann auch daran. Und drittens: Kreativität war gefragt, um aus nichts oder wenig etwas zu machen. Heute bewirkt ein übergroßes Angebot oft unreflektierten Konsum und sorgt für Übersättigung, so dass ich mir denke: Weniger wäre oft mehr!

Verändert sich der Blick auf die eigene Jugend dadurch, dass man sie aufschreibt?

Brandl: Natürlich! Ich meine zwar nicht eine Verklärung der Zeit früher: Sie war nicht besser, sie war nicht schlechter. Sie war einfach anders. Der Blick beim Schreiben verändert sich dadurch, dass man als 68er - der ich als Jahrgang 1947 im doppelten Sinn bin! - vom Heute auf das Damals schaut. Zugleich wird diese Zeit wieder lebendig durch die vielen Recherchen und die vielen Interviews, die ich führen musste, um dieses Buch schreiben zu können.

Ein Buch zu schreiben ist die eine Sache, ein solches zu präsentieren eine andere. Wie bereiten Sie sich auf solche Lesungen vor?

Brandl: Ich versuche immer mich in die Erwartungshaltung des Publikums hineinzuversetzen. Die Lesungen bereite ich akribisch und genau vor. Aus dieser Sicherheit kann ich dann aber auch spontan reagieren. Es soll ein Spannungsbogen entstehen, zugleich will ich aber auch einen Blick auf meine anderen Werke werfen, auf die "Ziegelgassler", auf "Wieder am Bauzaun" und vor allem auch auf Lyrik!

Worauf dürfen sich die Besucher in der Buchhandlung Brigitte Müller freuen?

Brandl: Ich möchte die 1960er Jahre mit ihrem Anderssein in Erinnerung rufen, mit all dem Spaß, den wir hatten, aber auch mit den Problemen der Zeit. Zugleich werde ich versuchen, die Musik, die mich damals begeisterte, zu präsentieren. Ich freue mich schon!
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