Schüler, Lehrer und viele I-Pads

Geburtstagslieder auf Schottisch, Belgisch, Finnisch und Deutsch bekam Schulleiter Peter Seidl (vorne rechts) am Freitag zum 64. zu hören. Zufällig alles von Muttersprachlern: Das Erasmus-Gymnasium war Gastgeber für das Projekt "Erasmus+". Schüler und Lehrer beschäftigten sich mit dem Einsatz von Tablets beim Unterricht. Bild: Huber

Genauso hinterwäldlerisch wie die Deutschen sind nur noch die Italiener - überspitzt formuliert. Besser gesagt: Bei der Digitalisierung des Klassenzimmers gibt's in unserem Land noch viel Luft nach oben. Die Finnen dagegen arbeiten schon längst mit I-Pads im Unterricht. Die Schotten übrigens auch.

Wie genau sich Tablets und Co. künftig bei Schülern und Lehrern etablieren sollen und welche Apps für den Unterricht eingesetzt werden können, darum dreht sich das internationale Projekt "Erasmus+". Vier Teilnehmerschulen gibt es, darunter das Erasmus-Gymnasium. Diese Woche sind Delegationen aus Helsinki (Finnland), Brügge (Belgien), Dollar (Schottland) und Rovigo (Italien) zu Gast in Amberg. 20 Schüler und zwölf Lehrer reisten an, um sich eine Woche lang intensiv mit dem Einsatz von Tablets im Unterricht zu beschäftigen. Während die jungen Leute gemeinsam mit deutschen Schülern Videos drehten oder ein Quiz erarbeiteten, informierten sich die Lehrer über die Weiterentwicklung und den Einsatz von neuen Medien im Unterricht.

In Finnland schon Alltag

"Schnell war uns klar, dass das für einige Beteiligte schon zum Alltag gehört, während bei uns nicht mal die Infrastruktur dafür vorhanden ist, alle zu verkabeln", sagte Schulleiter Peter Seidl. Der Kollege aus Finnland, Joha Ruotsalainen, berichtete davon, dass im finnischen Unterricht Schüler schon längst mit E-Books und I-Pads arbeiten. Finanziert werden die Geräte zum Teil von der Schule, Kaitaan lukio Helsinki, oder von den Schülern selbst. "Das bedeutet aber nicht, dass sie sofort damit umgehen können, das ist nicht wie mit dem Smartphone", schränkt Ruotsalainen ein. Vielmehr müsse auch diese Medienkompetenz erst erarbeitet werden. Wobei nicht nur die jungen Leute Erfahrungen sammeln müssten. "Auch Lehrkräfte lernen verstärkt den Umgang mit dem Tablet", beobachtete Seidl. Bei Eltern sei vielleicht die meiste Überzeugungsarbeit zu leisten. Weitere Hürde: die technische Infrastruktur. "Und dann müssen wir uns natürlich Gedanken über Modelle einer Finanzierung machen", sagte Seidl. Schließlich verfüge die private Dollar Acadamy in Schottland, ebenfalls ein Projektteilnehmer, über andere Mittel als das staatliche Erasmus-Gymnasium. "Wir sind am Vorabend einer Revolution angelangt, die dem Buchdruck gleichkommt", sagt der 64-Jährige. Joha Ruotsalainen ist überzeugt davon, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Digitalisierung auch in deutschen Klassenzimmern Einzug hält: "Man kann die Entwicklung nicht mehr bremsen."

Während der Projektwoche waren alle Beteiligte in Amberg mit I-Pads ausgestattet. Projektbetreuer und Oberstudienrat Markus Spörrer lobte den Umgang der jungen Leute mit den neuen Medien: "Sie waren unheimlich konzentriert bei der Sache." Und sie mussten sich mit wichtigen Dingen wie beispielsweise dem Datenschutz auseinandersetzen.

Projekt dauert zwei Jahre

Die Familien der Oberstufenschüler nahmen jeweils zwei Gastschüler privat auf. "Erasmus+" ist auf zwei Jahre angesetzt. Es gibt vier Treffen, wovon die Woche in Amberg am arbeitsintensivsten war. Weitere Termine sind im November in Italien, im Mai in Finnland und im Herbst in Schottland. Das Projekt wird von der Europäischen Union gefördert.
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