Schwein oder nicht Schwein?

Für Herbert Hottner, Metzger im Hauptberuf, darf's ein bisschen mehr sein. Er besteigt die große Bühne im Amberger Stadttheater und gibt den verhinderten Großmimen.

Jeder Amberger kennt Herbert Hottner: Er ist der "Metzger am Marktplatz" und der Erfinder des Weißwurststangerls. Die Grundfrage seines Berufstandes - "Darf's ein bisschen mehr sein?" - beantwortet der Mittfünfziger aber schon seit einigen Zeiten mit einem inbrünstigen "Ja!". Denn im Nebenberuf ist er leidenschaftlicher Shakespeare-Fan und Schauspieler. Sein Herz schlägt nicht nur für Fleisch und Knochen, sondern auch für die Welt der Maske und der Schminke. Weshalb er sich nach zehn gemeinsamen Jahren mit dem von ihm gegründeten Ensemble Zentral nun ein ganz besonderes Stück gönnt - ein Solo auf der Stadttheaterbühne.

Hottner wird am Samstag, 21. Februar, die tragende Rolle in Rainer Lewandowskis Ein-Personen-Stück "Heute weder Hamlet" übernehmen und als Bühnenarbeiter Ingo Sassmann dem Publikum nicht nur mitteilen, dass Shakespeare an diesem Samstagabend ausfällt - er wird geistesgegenwärtig, wie er ist, die Situation für sich nutzen und in einem rund 70-minütigen Monolog zu einer großen Lebensbeichte anheben. Dass er einst Schauspieler war, in Schleswig und Trier, in Kassel und zuletzt in Bruchsal. Dass er dort aufgrund eines fatalen Missgeschicks bei der Aufführung des "Raub der Sabinerinnen" fristlos entlassen wurde und seither sein Bühnendasein als Vorhangzieher fristet. Weshalb er nun die so lange vermisste Gelegenheit zur Selbstdarstellung prompt beim Schopf packt, um sich beim Nähkästchengeplauder ins rechte Scheinwerferlicht zu rücken. Denn selbstredend ist "der Vorhang das Wichtigste am Theater".

Auf den Leib geschnitten

Jetzt wäre es natürlich unfair, zu behaupten, die Rolle dieses von den Bühnenbrettern gefallenen Maulhelden sei Herbert Hottner auf den Leib geschnitten. Aber Regisseurin Bettina Schönenberg ist völlig überzeugt davon, dass ihr Schützling den Ingo Sassmann so lebensecht auf die Bühne bringt, dass das Publikum seinen Spaß haben wird: "Der Herbert hat einfach eine ungeheure Leidenschaft fürs Theater! Den muss ich eher bremsen, als dass ich ihn motivieren müsste!" Der so Gelobte wiegelt dagegen ab und bemerkt selbstkritisch: "Die Bettina ist Bühnenprofi - weshalb sie wahnsinnig wichtig ist für mich: Sie gibt mir nämlich Orientierung! Und ich weiß, wo meine potenziellen Schwachpunkte liegen. Ich sage nur: ,Pathosfalle' und ,gestisches Herumfuchteln'!" Wer sich also davon überzeugen möchte, wie sich Metzgermeister Hottner auf der großen Bühne im Stadttheater in der Rolle des alle Strippen betätigenden Vorhangziehers präsentiert, sollte sich beeilen! "Die besten Plätze", so betont Barbara Frey vom Stadttheater Amberg, "die gehen weg, wie die warmen Semmeln!" Also: Wer sich noch sein persönliches Weißwurststangerl im Parkett oder im ersten Rang reservieren möchte, sollte keinesfalls auf die Abendkasse vertrauen, sondern sich im Vorverkauf sein Ticket sichern. Karten zum Preis von 18 Euro gibt es bei der Tourist-Information am Hallplatz und im Café Zentral am Marktplatz.
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