Sechs Jugendliche auf Tour durch Stadt und Landkreis - Empfindliche Strafen für vier der Täter ...
Lange Spuren sinnloser Verwüstung

Amberg. (hwo) Sie führten sich auf wie Vandalen. Als nun vor dem Jugendschöffengericht die Rechnung aufgemacht wurde, standen 28 Straftaten zur Debatte wie Diebstähle, Sachbeschädigungen oder Farbschmierereien.

Sechs junge Männer auf der Anklagebank. Alle 18 und 19 Jahre alt. Einer von ihnen war bei allen nächtlichen Touren dabei, seine fünf Kumpels aus den Bereichen Amberg, Sulzbach-Rosenberg und Schwandorf gingen gelegentlich mit. "Enorme Verwüstung aus reiner Langeweile", wie während des Prozesses Staatsanwalt Tobias Kinzler befand.

16 000 Euro Schaden

Was sich innerhalb weniger Wochen ereignete, zog ein Reparaturkosten von 16 000 Euro nach sich. Alles angerichtet aus purem Zerstörungswillen. Etliche Straßenlaternen in Amberg und Kümmersbruck gingen kaputt, als hart gegen sie getreten wurde. Ein Bagger und ein Zaun nahmen Schaden, Werbefahnen holte man von ihren Masten, Kanaldeckel kamen aus der Verankerung, ein Altpapiercontainer brannte. Außerdem gab es einen Einbruchsversuch, wurden sogenannte Molotow-Cocktails gezündet.

Noch schlimmer aber war: In wechselnder Zusammensetzung pinselten die jungen Männer mit Lackfarbe Naziparolen, Hakenkreuze und SS-Runen an Gebäudewände. Zum Beispiel an eine Kümmersbrucker Schule, an das Vereinsheim eines Amberger Tennisclubs, an ein Buswartehäuschen und an eine Unterführung an der Drahthammerstraße.

Männer also mit rechtsradikalem Hintergrund? Als Jugendrichter Peter Jung näher nachforschte, stellte sich heraus: Politische Motive spielten keine Rolle. Es ging um reine Sachbeschädigung, die darauf abzielte, andere zu ärgern. Das Werk von Leuten, die einfach nur angestauten Frust abreagieren wollten.

In einer gesonderten Anklageschrift hatte der Staatsanwalt aufgelistet, was sich in einem Supermarkt an den Franzosenäckern zutrug. Dort tauchten drei der Angeklagten auf, um Lautsprecherboxen zu klauen. An der Kasse war Endstation. Hier stellte sich beim Eintreffen der Polizei heraus: Der 19-jährige Haupttäter, immer mit dabei, wenn Straftaten verübt wurden, führte ein sogenanntes Einhandmesser mit sich.

"Diebstahl mit Waffen", befand der Staatsanwalt. Erst im Gerichtssaal wurde den Beschuldigten klar, dass es sich dabei um ein Delikt handelte, das der Gesetzgeber mit weit höheren Strafen bedroht als einen üblichen Ladendiebstahl. "Bei Erwachsenen mindestens sechs Monate", hörten sie vom Richter. Gegen zwei der Angeklagten wurde der Prozess vorzeitig beendet. Sie waren, wie sich herausstellte, eher Mitläufer. Deshalb stimmte der Staatsanwalt einer Verfahrenseinstellung zu. Ungeschoren aber kamen sie dennoch nicht davon. Einer muss 40 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten, der andere bekam 60.

Dauer-und Jugendarreste

Für die anderen vier wurde es heftiger. Der 19 Jahre alte Hauptangeklagte bekam 16 Monate mit Bewährung und einen dreiwöchigen Dauerarrest. Ein weiterer Beschuldigter, mehrfach als Dieb vorbestraft, erhielt eine achtmonatige Bewährungsstrafe und muss außerdem 120 Arbeitsstunden ableisten.

Für die restlichen zwei setzte es ebenfalls jeweils 120 Stunden Arbeit, sie müssen ferner kurzzeitige Jugendarreste verbüßen. Mit diesen Ahndungen hielt sich das Gericht weitgehend an die Strafanträge des Staatsanwalts.
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