Sehnsucht nach der Orgel

Besuch aus der Pfarrei St. Josef-Ruhrhalbinsel bekamen die Pfarrei St. Konrad und ihr Geistlicher Michael Jakob (Vierter von rechts). Seit knapp einem Jahr erklingt in der Ammersrichter Kirche die Sandtner-Orgel, die man von den Essenern erworben hat. Organist Andreas Feyrer (Dritter von rechts) demonstrierte mit der "Widor-Toccata" eindrucksvoll, dass das Instrument am neuen Standort nichts von seiner Klangvielfalt eingebüßt hat. Bild: u

Die Gäste aus dem Ruhrpott haben sich davon überzeugt: "Unsere Sandtner-Orgel ist bei der Pfarrgemeinde St. Konrad und ihrem Pfarrer Michael Jakob in den besten Händen."

Vier Tage dauerte der Amberg-Besuch einer von Richard Marschel angeführten Delegation der Pfarrei St. Josef-Ruhrhalbinsel aus Essen-Kupferdreh. Zur Erinnerung: Gut zehn Monate ist es her, dass die Orgel in St. Konrad mit einem von Weihbischof Reinhard Pappenberger zelebrierten Festgottesdienst eingeweiht wurde.

Pfarrer Michael Jakob, ein begeisterter Orgel-Liebhaber, gelang mit ihrem Kauf ein echtes Schnäppchen. Für 100 000 Euro erstand er das Kircheninstrument. Die Essener Pfarrei hatte für dessen Anschaffung - von einem Orgelbauverein unterstützt - mehr als 500 000 Euro aus Eigenmitteln ausgegeben.

Schwierige Käufersuche

Nachdem feststand, dass die Pfarrkirche St. Josef profanisiert wird und die Orgel verkauft werden muss, suchten die Essener und ihr Pfarrer Gereon Alter mehr als ein Jahr lang vergeblich nach einem Käufer. Der erste Interessent wollte die Orgel praktisch geschenkt haben, erinnerten sich die Gäste. Beim zweiten intervenierte der Denkmalschutz, und der dritte wollte oder konnte sich selbst nach Monaten nicht verbindlich äußern.

So erhielt St. Konrad den Zuschlag. Zwei große Möbelwagen mit Hänger waren notwendig, um die 8,5 Tonnen schwere, 10 Meter hohe, 7 Meter breite und 2,5 Meter tiefe Orgel von Essen nach Ammersricht zu verfrachten.

Dass die Sandtner-Orgel mit ihren 1916 Pfeifen, 31 Registern und Doppelmanual am neuen Standort nichts von ihrer Klangvielfalt eingebüßt hat, davon konnten sich die Besucher aus dem Ruhrpott schon beim Gottesdienst überzeugen.

Mit sichtlichem Stolz berichtete Pfarrer Jakob, dass die Orgel innerhalb der wenigen Monate zu einem Anziehungspunkt für Organisten und Kirchenmusiker aus der ganzen Region geworden sei. Sie seien alle von der unglaublichen Vielfalt der Klangfarben begeistert. In St. Konrad fänden daher regelmäßig gut besucht Konzerte statt.

Einer, der besonders für die Orgel schwärmt und sie meisterhaft beherrscht, sei der aus Hirschau stammende Organist Andreas Feyrer. Dieser gab denn auch mit einem kleinen Konzert eine Kostprobe seines Könnens. Er begeisterte die Besucher mit der Toccata von Charles-Marie Widor, einem der bekanntesten Werke der Orgelmusik.

Bei den Essenern kam angesichts der imposanten Klänge eine nicht zu übersehende Portion Wehmut auf - allerdings verbunden mit der Zufriedenheit darüber, dass "ihre" Orgel in Ammersricht einen würdigen Platz gefunden hat. Ihre in der Zwischenzeit profanisierte St. Josef-Kirche werde demnächst abgerissen, berichteten sie. Als kleines Andenken an den Besuch übergab Richard Marschel an Pfarrer Jakob eine Kerze.

Dieser nahm sich für seine Gäste noch ausgiebig Zeit. Er zeigte ihnen eine Reihe von Schönheiten der Stadt Amberg - zum Beispiel die Georgskirche, das Eh'häusl, die Schulkirche und das Walfischhaus.
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