Semmel ist nicht alles

Viele Bäckereien in der Region haben diesen Spruch in ihren Schaufenstern hängen. Die meisten von ihnen sind aber gegen noch längere Öffnungszeiten. Archivbild: dpa

Einkaufen und produzieren 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche? Das Bundesverwaltungsgericht hat jetzt einen Pflock eingeschlagen: Nicht alle dürfen oder müssen immer arbeiten. Viele regionale Bäckereien atmen erst einmal auf.

Darf's ein bisserl mehr sein? Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat entschieden, dass Sonntagsarbeit Grenzen haben muss. Der Sonntag soll auch in Zukunft nur in Ausnahmefällen Arbeitstag sein. Das Gericht zog sich damit zwar den Unmut des Call-Center-Verbands zu, viele regionale Unternehmen hingegen schnaufen erst einmal kräftig durch. Wer sein Geschäft am Sonntag aufsperrt, verdient nicht unbedingt mehr Geld damit. Das lernen wir auf der Suche nach Reaktionen schnell. Michael Kredler, der Besitzer der gleichnamigen Bäckerei in Gebenbach mit Filialen auch in Amberg, klärt auf: "Wir machen nur auf, weil es der Wettbewerb fordert."

Nicht mehr Umsatz

Denn mehr Öffnungszeiten bringen seiner Aussage nach nicht unbedingt mehr Umsatz oder Gewinn. "Wir haben im Prinzip den Umsatz vom Samstag zum Teil auf Sonntag verlagert", schildert er das Einkaufsverhalten der Verbraucher. Aber die Semmel muss heutzutage immer frisch sein, Ware vom Vortag wird von vielen nicht mehr akzeptiert. Doch nicht alle Kunden wollen immer alles zu allen Zeiten kaufen können. Edgar Kraft, der mit seiner Frau Irene die Bäckerei Nußstein betreibt, wehrt sich bis heute gegen den Trend. "Wir machen am Sonntag keine unserer Filialen auf", so sagt er. Erstens gebe es keinen Bedarf und zweitens werde bei Nußstein im Gegensatz zu vielen Großbetrieben in der Branche nicht mit sogenannten Teiglingen gearbeitet, halbfertiger Ware, die im jeweiligen Geschäft nur noch kurz aufgebacken werden muss. Und noch einen Punkt nennt Edgar Kraft: "Sonntagsarbeit bleibt doch immer an bestimmten Mitarbeitern hängen."

Das wiederum sieht Michael Kredler nicht so tragisch. Schließlich gibt es dafür in der Backbranche 50 Prozent Lohnzuschlag. Und die Backstube selbst wäre im Sommer an den Sonntagen ohnehin in Betrieb: "Da ist ja jedes Wochenende irgendwo ein Fest, das wir beliefern." Und auch da sollen die Semmeln frisch sein. Unter seinen Beschäftigten findet sich immer jemand, der das zusätzliche Geld gut gebrauchen kann.

Ganz vom Tisch ist das Thema aber für unsere heimischen Bäcker noch nicht. Viele von ihnen unterhalten Filialen in den Supermärkten der Region. Verlängern die ihre Öffnungszeiten, dann sind die meisten von ihnen vertraglich dazu verpflichtet, ebenfalls bis zum Ladenschluss zu öffnen. Das bedeutet laut Michael Kredler wieder mehr Kosten bei fast gleichem Umsatz. "Letztendlich", so sagt er, "geht es doch nur um den Verdrängungswettbewerb. Die Großen überleben, die Kleinen machen zu."
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