Service-Idee wird zur "Misere"

Das Hinweisschild des Hausleitsystems hängt noch an der Decke; das Sanitätshaus Fritsch & Richter im Klinikum aber hat schon geschlossen, der Laden ist ausgeräumt und gähnend leer. Bild: Huber

Klar, Café und Kiosk gehören zum Klinikum wie der Deckel auf den Nachttopf. Aber ein fremdes Sanitätshaus unter dem Dach von St. Marien? Darüber wunderten sich zuletzt viele Besucher des Krankenhauses. Jetzt dürfen sie sich erneut wundern: So überraschend wie das Geschäft aufgetaucht ist, hat es nun wieder geschlossen.

15 Monate hatte es existiert - von Oktober 2013 bis Ende vergangenen Monats. Es handelte sich um eine Filiale der Sanitätshaus-Kette Fritsch & Richter. Also kein örtliches Unternehmen, sondern ein Mitbewerber, der in mehreren Teilen Bayerns vertreten ist und seinen Hauptsitz in Fürth hat.

Dass dieser auswärtige Konkurrent zum Zug kam, hat den lokalen Betrieben schon mal gar nicht gefallen. Zumal sie sich ebenfalls um diese Chance der noch viel direkteren Zusammenarbeit mit dem Klinikum bzw. seinen Patienten beworben hatten. Genommen wurden aber am Ende eines Auswahlverfahrens Fritsch & Richter, weil die insgesamt das "breitere Angebot" machten, wie Klinikumsvorstand Manfred Wendl auf Anfrage der AZ informierte. Fritsch & Richter bekamen ihrerseits ein verlockendes Angebot: Der neue Laden konnte in den Bereich der ehemaligen physikalischen Therapie im Erdgeschoss einziehen. Die Räume dort wurden sogar für diesen Neuzugang umstrukturiert, bisherige Bäder und Wannenbereiche rückgebaut, was sich das Klinikum einiges kosten ließ.

AOK kündigt Versorgung

Nun ist der Zauber dieses Entgegenkommens verflogen. Manfred Wendl spricht mittlerweile von einer "Misere", die sich ereignet habe. Und zwar, weil die AOK - immerhin die größte Krankenkasse vor Ort - den Versorgungsvertrag mit Fritsch & Richter gekündigt habe. Dadurch könne das Geschäft diese Versicherten praktisch nicht mehr bedienen, ihre Verordnungen nicht mehr annehmen.

Das aber sei gerade der Vorteil gewesen, den Fritsch & Richter im Klinikum bieten sollte: Dass Patienten aus dem Haus oder auch im Nachgang nach ihrer Entlassung hier auf kurzem Wege gleich ihre nötigen Hilfsmittel besorgen können. Eine möglichst "umfassende Versorgung" im eigenen Haus bieten zu können, war laut Wendl der ursprüngliche "Zweck" dieser Kooperation. Er sei nun durch die Vertragsauflösung der Allgemeinen Ortskrankenkasse in großem Maß weggefallen. Ein hoher Anteil der Klinikumspatienten sind nämlich AOK-Versicherte, die nun hier nicht mehr zum Zuge kommen, erläuterte der Vorstand. "Dieser Service für unsere Patienten ist nicht mehr gegeben."

Klinikum beendet Vertrag

Der Zeitpunkt der Vertragskündigung durch die AOK sei St. Marien nicht bekannt. Aber, als man das "mitbekommen" habe, musste für Wendl der nächste Schritt folgen: Das Klinikum selbst kündigte den Mietvertrag mit Fritsch & Richter zum nächstmöglichen Zeitpunkt, was eben der 31.12.2014 gewesen sei. Mittlerweile ist der Laden geräumt worden.

Neu vermietet an einen der lokalen Anbieter wird er übrigens nicht. Das liegt laut Wendl auch daran, dass zwei Amberger Sanitätshäuser selbst Geschäfte in nur geringer Entfernung zum städtischen Klinikum haben. St. Marien werde die eigens umgebaute Fläche nun wohl "hausintern nutzen". Schließlich könne man sie auch als "normale Räume weiter verwenden".
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