Sieben Monate unschuldig in U-Haft

Ein 39-Jähriger wischt seiner Ex-Freundin eins aus, weil sie ihm seinen BMW nicht zurückgibt. Der Mann erfindet eine Erpressung - und brockt der Frau damit eine siebenmonatige Untersuchungshaft ein.

Im Grunde ging es dem Amberger nur darum, seinen älteren BMW wiederzubekommen, den er seiner Freundin geliehen hatte. Die arbeitete damals in einem Etablissement in Tschechien, mit dem Fahrzeug sollte ihr die Möglichkeit gegeben werden, zu pendeln. Als die Beziehung endete, wollte der heute 39-Jährige sein Auto zurückhaben. Das aber gestaltete sich schwierig.

Deshalb befolgte der Mann, wie sich jetzt am Amtsgericht zeigte, im November 2011 den Rat eines Bekannten, der gesagt haben soll: "Je dramatischer der Sachverhalt, desto eher macht die Polizei was." Die schaltete der Maurer auch ein, zweimal tischte er eine Story auf, die so nicht stimmte, komplett falsch war. Aber dann eine Eigendynamik entwickelte, die völlig aus dem Ruder lief. Er habe sie nicht mehr in der Hand gehabt und so auch nicht gewollt, versuchte der Angeklagte glaubhaft zu machen.

Das nahm ihm das Schöffengericht nach der Beweisaufnahme auch ab. Weshalb der 39-Jährige von Richter Markus Sand nicht, wie von Staatsanwalt Daniel Gold gefordert, wegen schwerer Freiheitsberaubung zu 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde. Er bekam lediglich ein Jahr wegen falscher Verdächtigung.

100 Stunden arbeiten

Damit folgte das Gericht den Einlassungen des Verteidigers, Rechtsanwalt Michael Trummer, und den Erkenntnissen, die der Prozess gebracht hatte. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit muss der jetzt in Windischeschenbach wohnende Mann zudem zu leisten, ein Bewährungshelfer hat künftig ein Auge auf ihn.

Die Ex-Freundin war zwar als Zeugin geladen. Sie kam aber nicht, was das Gericht auch nicht sonderlich überraschte. Es war davon die Rede gewesen, sie habe den 39-Jährigen damals unter Vorhaltung eines Skalpells genötigt, ihr den seinerzeit rund zehn Jahre BMW zu überlassen, ihn bedroht und gezwungen, einen Schenkungsvertrag aufzusetzen. Den hat es nie gegeben, gleichwohl liefen umfangreiche Ermittlungen an, die der enttäuschte Liebhaber nicht mehr beeinflussen konnte.

Sie gipfelten darin, dass aufgrund der falschen Angaben gegen die Tschechin ein internationaler Haftbefehl wegen räuberischer Erpressung erlassen wurde. Tatsächlich wurde sie dann am 24. Mai 2013 in einem Nachtclub in Rozvadov festgenommen und später in die JVA Regensburg gebracht. Dort saß sie beinahe sieben Monate - unschuldig - bis zum 17. Dezember 2013, dem Tag der Hauptverhandlung vor dem Amberger Landgericht.

Da musste dann auch der 39-Jährige zugegeben, die Erpressung frei erfunden zu haben. Bemerkenswert: Für den Ex-Liebhaber und Anzeigeerstatter war die Sache beendet, als er Weihnachten 2011 in Tschechien seinen BMW wieder abholen konnte. Nicht aber für die Kripo und Staatsanwaltschaft.

Der Angeklagte gab sich vor Gericht reumütig. Ein als Zeuge aussagender Kriminalbeamte meinte, dass eigentlich nicht mit einem Haftbefehl zu rechnen gewesen sei. Tatsächlich erging er auch nur deshalb, weil die Frau in Tschechien postalisch nicht erreichbar war.

Das alles habe er in Kauf genommen, warf Staatsanwalt Daniel Gold dem 39-Jährigen vor: "Sieben Monate unschuldig in U-Haft, das ist kein minderschwerer Fall mehr." Richter Markus Sand ließ schließlich keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte die Inhaftierung als Folge der Ermittlungen wenn schon nicht vorsätzlich, so zumindest fahrlässig herbeigeführt habe.

Nur wegen des Autos hätte es dieses massiven Schuldvorwurfs der räuberischen Erpressung nicht bedurft. Im Übrigen hätte der 39-Jährige seine Angaben oft genug zurücknehmen können.

Verzicht auf Entschädigung

Dass die damaligen Alkoholprobleme des Mannes keine wesentliche Rolle spielten, betonte die Sachverständige für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Anna-Christian Wunder-Lippert aus Nürnberg. Dem bis dato nicht vorbestraften 39-Jährigen konnte Vorsatz nicht nachgewiesen werden, deshalb kam er mit zwölf Monaten Freiheitsstrafe davon, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Die Ex-Freundin hat übrigens auf eine entsprechende Entschädigung wegen der erlittenen Untersuchungshaft verzichtet.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.