Simone Fleischmann, Kandidatin für die Spitze des BLLV, über ihre Idee von Schule
Ohne Rankings geht es besser

Simone Fleischmann hat Freude an der Schule, auch wenn sie bei ihrem Vortrag vor den Mitgliedern der vier BLLV-Kreisverbände viele Probleme beim Namen nannte. Bild: hfz
Dieses Mal kam Simone Fleischmann als Leiterin der Abteilung Berufswissenschaft des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) in die Bergwirtschaft. Vielleicht kehrt sie bald als Präsidentin des Berufsverbandes zurück.

Bei der Tagung der BLLV-Kreisverbände Amberg-Stadt, Amberg-Land, Sulzbach-Rosenberg und Vilseck wies der Sulzbach-Rosenberger Vorsitzende Martin Sekura darauf hin, dass Simone Fleischmann beabsichtige, bei der Landesdelegiertenversammlung im Mai in Augsburg für das Amt des Präsidenten zu kandidieren. Die Veranstaltung verfolge also auch den Zweck, die Kandidatin kennenzulernen.

Simone Fleischmann vertrat den Standpunkt, dass in der Schul- und Bildungspolitik "diejenigen mitreden müssen, die sich in der Schule auskennen". Sie ist Leiterin der Grund- und Mittelschule Poing (Oberbayern) mit 800 Schülern und etwa 100 Mitarbeitern. Sie erlebe täglich die Herausforderungen in der Schule, die durch immensen Zeitdruck verstärkt würden. Sie erlebe, dass Kinder zwar weit mehr Freizeit als früher hätten, diese oft aber hektisch verbrächten.

"Mehr Beziehungsarbeit"

Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ziele auf nachhaltige Bildung. Neuen Vorgaben wie der Inklusion, dem neuen Lehrplan, dem Lernentwicklungsgespräch stehe sie durchaus offen gegenüber. "Es müssen aber auch die konkreten Bedingungen geschaffen werden, um sie umsetzen zu können." Die Gleichheit der Startchancen für alle Kinder und die Integration in die Gemeinschaft durch die Inklusion bildeten für sie den pädagogischen Grundstock. "Weniger Rankings, aber mehr Beziehungsarbeit" müsse in der Schule geleistet werden.

Um gute Schule gestalten zu können, müssten die personellen und zeitlichen Bedingungen geschaffen werden, sagte Simone Fleischmann. Oder konkret am Beispiel des Lernentwicklungsgesprächs: "Wenn die Schüler in den ersten drei Jahren im Gespräch beurteilt und beraten werden, in der 4. Jahrgangsstufe aber plötzlich Hundertstelnoten über den Übertritt entscheiden, passt das ganze System noch nicht zusammen."

Bürokratie abbauen

Den Abbau der Bürokratie in der Schule nannte sie als einen Hauptpunkt ihrer politischen Arbeit. Der BLLV müsse die Rolle des Wächters über die Bildungspolitik behalten und auf jeden Fall unabhängig bleiben, unabhängig vor allem parteipolitisch gesehen.

"Fachleute aus der Praxis wissen, worum es geht, und müssen die Finger in die Wunden legen. Die Politik ist dagegen oft realitätsfern", meinte Simone Fleischmann. Deshalb habe sie die Aktion "Pädagogik trifft Politik" in einigen Regierungsbezirken begonnen. Politiker und Journalisten können dabei auf Einladung des BLLV die konkrete Schulwirklichkeit erleben. Dabei sehe sie oft, wie weltfremd die Besucher seien. Die Praktiker müssten ihnen deshalb sagen, was gute Schule ausmache, wo die Chancen lägen.

In der Diskussion war der geänderte Zeitpunkt der Aufnahme in den M-Zug ein großes Thema. Simone Fleischmann sagte, dabei stelle sich ihr oft die Frage: "Wo ständen wir hier ohne den BLLV?" Albert Schindlbeck, der Vorsitzende des Kreisverbandes Amberg-Stadt, bedankte sich für den Besuch mit einem Oberpfälzer Geschenkkorb.
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