Skiass und Kabarettist im Sturm

Wenn Gerd Schönfelder (Zweiter von rechts) losstürmt, hält ihn nicht nur auf der Skipiste so schnell keiner auf. Der mehrfache Paralympics- und Weltcup-Sieger zeigte am Samstag beim SV Inter Bergsteig für den FC Sternstunden sein fußballerisches Talent. Bilder: Hartl

Gerd Schönfelder hat einen Riesenlauf. Diesmal nicht auf der Skipiste beim Weltcup, sondern auf dem Fußballplatz des SV Inter Bergsteig. Der mehrfache Paralympicssieger kickt voller Eifer mit etlichen anderen Promis des FC Sternstunden, damit am Ende eine verwitwete Mutter mit zwei Kleinkindern siegt.

Es ist das Benefizspiel für den verstorbenen Matthias "Matze" Lory, das am Samstagabend auf der Pater-Küting-Sportanlage an der Königsberger Straße läuft. Wie berichtet, haben es Markus Schreiner, Gerd Wanninger, Michael und Bernd Heinisch federführend auf die Beine gestellt, um die Lebensgefährtin ihres ehemaligen Fußball-Kollegen und Freundes zu unterstützen.

Die 35-Jährige steht nach dem plötzlichen Tod ihres Matze nicht nur mit den noch nicht mal ein Jahr alten Zwillingen Sophia und Viola alleine da. Sie muss auch den von ihrem Partner begonnenen Hausumbau beenden, wozu sich durch den Aufruf zum Benefizspiel in der Amberger Zeitung bereits einige Firmen bereiterklärt haben. Sie wollen ebenso unentgeltlich helfen wie der FC Sternstunden, den der Bayerische Rundfunk zusammen mit weiteren Partnern schon vor 22 Jahren für Kinderhilfsprojekte in der ganzen Welt gegründet hat.

Schönfelder hilft Nachbarn

Für ihn war es nach guten Kontakten über Bernd Heinisch zu Frank Reichelt vom SSV Jahn Regensburg eine Ehrensache, der Ebermannsdorferin und ihren Kindern in der gegenwärtigen Notsituation unter die Arme zu greifen. Gerd Schönfelder, einer der Besten im Team des FC Sternstunden, bezeichnete das auch als "gute Nachbarschaftshilfe". Denn er kommt aus Kulmain und zeigt häufig in der Region ehrenamtlich seine Liebe zur Heimat, besonders auch für soziale Projekte.

Altinger doppelt motiviert

"Kinder zu unterstützen ist eine großartige Sache", begründet Kabarettist Michael Altinger seinen freiwilligen Einsatz und schiebt auf die Zwillinge eingehend hinterher: "Heute geht es ja um zwei Kinder. Das ist gleich doppelte Motivation für mich." Tatsächlich legt sich Altinger mächtig ins Zeug, wie alle anderen, die ohne vorheriges oder gar regelmäßiges Training auf dem Platz des SV Inter stehen - dafür fehlt dem FC Sternstunden aufgrund seiner bunten und teils wechselnden Zusammensetzung mit Akteuren aus verschiedensten Sparten die Zeit.

Doch, wer geglaubt hat, diese Elf (mit nur drei Auswechselspielern angereist) bietet keinen guten Fußball, sieht sich getäuscht. Von der ersten Minute an powern die Promis, die früher zum Teil selbst aktiv gekickt haben und ehemalige Profis in ihren Reihen haben, mächtig. Zur Halbzeitpause führen sie schon 4:2, wobei Schönfelder das vierte Tor mit einem tollen Spurt von der Mittellinie an über rechts außen klasse vorbereitet. Zwei Verteidiger manövriert er aus, kommt zurück Richtung Torraum und gibt traumhaft ab an BR-Sportmoderator Markus Othmer, der in der Mitte punktgenau verwandelt.

So voller Elan ging es über 90 Minuten ständig hin und her - bis zum Endstand von 6:3 für den FC Sternstunden. Wobei das Alte-Herren-Team des Inter mit seinen insgesamt über 20 munter durchgewechselten Spielern vor allem in der Verteidigung eine gute Leistung hinlegte.

"Die stehen kompakt", lobt Ralf Welter, der sich für das Benefizmatch ebenfalls stark engagierte und den Kontakt zu SV und AZ hielt. "Ja, man merkt, dass die das ganze Jahr zusammen spielen", ergänzt Bernd Heinisch anerkennend, um aber wie Markus Schreiner zu folgendem Schluss zu kommen: "Das Ergebnis hier ist ja völlig zweitrangig. Wichtig ist, dass wir auf die gute Sache aufmerksam gemacht haben und dass etwas Geld zusammenkommt." Das ist neben den Firmen, die schon ihre Hilfsbereitschaft beim Bau signalisiert haben, der Fall. Laut Schreiner waren 300 bis 400 Zuschauer und Gäste da, die bei freiem Eintritt nicht nur Spenden gaben, sondern fleißig aßen und tranken. Dadurch dürften am Ende über 4000 Euro übrig bleiben, worüber sich die 35-jährige Witwe, die namentlich nicht in Erscheinung treten möchte, total freute.

Lorys Witwe "sehr gerührt"

Sie sah sich das ganze Spiel an, brachte erst nach Ende und einem Gespräch und Händeschütteln mit allen FC-Sternstunden-Spielern ihre Zwillinge nach Hause. "Ich bin sehr gerührt", sagte sie zur AZ, "ich hätte nicht gedacht, dass das alles so zustande kommt".
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