"So etwas noch nirgends erlebt"

Gute Stimmung auf der Tribüne im Stadion von Cali. Katrin Fehm (Mitte, ohne Mütze und ohne Sonnenbrille) - hier als Zuschauerin - lief in Kolumbien über die 100 Meter neue persönliche Bestzeit in 11,79 Sekunden. Im Semifinale mit der späteren Weltmeisterin Candance Hill (USA) belegte sie in 11,91 den fünften Platz. Bild: Ullrich

Gänsehaut bei über 30 Grad, täglich trockenes Fleisch mit Reis - das kommt den beiden jungen Damen schon ein bisschen spanisch vor. Dennoch sind Katrin Fehm und Corinna Schwab begeistert von der Atmosphäre der U 18-Weltmeisterschaft in Kolumbien - und glänzen dort mit starken Leistungen.

"Also zwei Wochen ohne Nutella waren schon die Härte. Wir wären bestimmt schneller und besser gewesen." Corinna Schwab (TV Amberg) und Katrin Fehm (SGS Amberg) waren am Nachmittag nach ihrer Rückkehr aus Kolumbien äußerst gut gelaunt. In der Nacht zuvor waren sie erst in Frankfurt gelandet, aber bei 36 Grad bereits wieder fit für das nächste Training. Mit aufgeschürften Knien stand "Coco" vor Trainern und Vereinsfreunden, die beiden herzlich zu ihrer Teilnahme an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im deutschen Team der Sportler unter 18 Jahren gratulierten.

Ihr passierte beim Vorlauf der absolute Albtraum einer Hürdenläuferin: Ein Sturz und somit das Aus für die Einzelwertung. Dafür lief sie die gemischte Staffel mit je zwei Mädchen und Jungs die 4x400 Meter mit und kam von 21 Teams auf den sehr guten vierten Platz. Mit dem eigenen Ruf: "Wir sind ein Team, wir sind Deutschland, wir sind Team Deutschland!" feuerten sich die jungen Leute gegenseitig an. Beide Sportlerinnen schwärmten vor allem von dem Zusammenhalt in der Truppe: "Da gab es absolut keinen Zickenkrieg. Wir haben uns alle erst in den zwei Wochen richtig kennengelernt und sind nun Superfreunde." (Corinna Schwab). Die Woche vor dem Wettkampf verbrachten sie unter schwersten klimatischen Gegebenheiten im feucht-heißen Florida. Aber dort waren sowohl die Trainings- als auch Wohn-Bedingungen ideal. "Die IMG Acadamy in Bradenton ist ein sehr großes, umgrenztes Areal, in dem viele verschiedene Sportarten wie zum Beispiel Baseball, Basketball, Football und Lacrosse trainiert werden." Die Betreuung mit Trainern und Ärzten für die Athleten aus Deutschland war durchwegs freundlich und lustig. Das Tagesprogramm der beiden bestand aus selbstbestimmten Trainingseinheiten und jede konnte seinen Ablauf dadurch eigenständig planen. "Außerdem gab's dort wenigstens Schokocroissants..." Bei der Einreise nach Kolumbien mussten sie allerdings feststellen, dass man mit Englisch nicht weiter kam. "Selbst mit ein wenig Französisch war nichts anzufangen. Die sprechen dort nur Spanisch. Da haben wir uns halt mit Händen und Füßen verständigt." Und auch das Essen in Cali war - mit jedem Tag Reis und trockenem Fleisch - nicht so ganz nach dem Geschmack der Mädchen. Katrin Fehm: "Aber als wir dann aus den Katakomben in das Stadion einliefen, war das Gänsehaut pur." Bis auf wenige Plätze war es voll besetzt und bereits beim Einspringen oder Einwerfen war das Publikum euphorisch stets dabei. "So etwas haben wir sonst noch nirgends erlebt."

Beide stehen jetzt nach Beendigung der 10. Klasse vor der Herausforderung sich in den nächsten zwei Jahren aufs Abitur vor zu bereiten. Und so ganz nebenbei macht die 17-jährige Katrin ihren Führerschein. Aber bei dem Ehrgeiz und der Disziplin, die die jungen Damen an den Tag legen, werden sie vermutlich diese Herausforderungen mit Bravour meistern.

Und wenn andere Gleichaltrige sich mit ihren Eltern oder allein in den Urlaub aufmachen, haben die beiden ein ganz anderes Ziel vor Auge: Die deutsche Meisterschaft der U 18 und U 20 vom 31. Juli bis 2. August in Jena.
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