Sollte Mutter bei Brand sterben?

Nahm er billigend in Kauf, dass durch eine von ihm ausgehende Brandstiftung seine Mutter um ihr Leben fürchten musste? Wollte der Angeklagte gar deren Tod? Diese Fragen beschäftigen die Richter. Auf der Anklagebank sitzt ein 34-Jähriger.

Der wegen schwerer Brandstiftung beschuldigte 34-Jährige aus dem östlichen Kreis Schwandorf hat am ersten Prozesstag vor dem Amberger Schöffengericht über seine Verteidigerin Claudia Schenk (Regensburg) eine Erklärung verlesen lassen. Darin stand, dass er am späten Abend des 25. Oktober letzten Jahres in dem gemeinsam mit seiner Mutter bewohnten Haus Feuer an einer Treppe legte. Allerdings, so ließ er weiter mitteilen, sei das nicht geschehen, um der im Obergeschoss des Anwesens lebenden Mutter körperlichen Schaden zuzufügen.

Kann man ihm das glauben? Weitere Fragen mochte der Mann ("Ich habe ein Alkoholproblem") nicht beantworten. Im Verlauf von fünf Verhandlungsstunden am Amtsgericht verdeutlichte sich, dass der 34-Jährige auf der ins Erdgeschoss führenden Stiege Nitroverdünnungsmittel ausgeschüttet, Feuer gelegt und schleunigst das Weite gesucht hatte. Allerdings hatte er Vorkehrungen getroffen, die aufhorchen ließen: Er nahm zwei Hunde mit, packte persönliche Dokumente wie Sparbücher zusammen und hatte eine von ihm aufgehobene Schleife dabei, die an einem Kranz für seinen nicht lange davor verstorbenen Vater hing.

Zum Glück ausgegangen

Auch was danach passierte, ist von der Amberger Kripo umfassend geklärt worden. Der Mann fuhr auf dem Ortsfriedhof zum Grab seines Vaters, war dann mit dem Auto unterwegs bis kurz vor Rötz und kehrte zum Tatort zurück. Dort sperrten Feuerwehrleute die Straße ab, kam es zur Festnahme. Die im ersten Stock wohnende Mutter hatte während der Flucht ihres Sohnes den Brand bemerkt und einen Rettungseinsatz ausgelöst. Allerdings waren die gelegten Flammen weitgehend von selbst ausgegangen.

"Das war ein eher glücklicher Umstand", hörte Schöffenrichter Markus Sand von einem Brandfahnder. Der Beamte schilderte, dass die Frau bei einem um sich greifenden Feuer wohl denkbar schlechte Fluchtchancen gehabt hätte. Der einzige Ausweg wäre ihr über ein Wohnungsfenster geblieben. "Und dann sieben Meter in die Tiefe", wie der Vorsitzende weiter vernahm.

Uniformierte Polizisten hatten den Mann nach dem Verbrechen ins Regensburger Bezirkskrankenhaus gebracht. Sie wussten über Alkotests, dass er 2,4 Promille hatte. "Dies aber hätten wir nie vermutet", sagten sie den Richtern. In Gesprächen mit ihnen fiel dann wohl auch ein Satz, der nun ebenfalls wichtig ist. Der 34-Jährige soll sinngemäß gesagt haben, dass "die Mutter am Tod des Vaters schuld ist."

Verfahrensweg offen

Vor dem Schöffengericht machte die seinerzeit unversehrt gebliebene Mutter von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Von daher wurde die Entscheidung getroffen, eine Ermittlungsrichterin zu laden, vor der die 60-Jährige nach dem Geschehen Angaben gemacht hatte. Erst wenn die Juristin vernommen und auch eine psychiatrische Sachverständige gehört worden ist, soll über die weitere Vorgehensweise befunden werden.

Für Staatsanwältin Franziska Bücherl stand allerdings schon am ersten Verhandlungstag fest: "Dieser Fall muss wohl vor das Landgericht." Das könnte, wenn der Prozess Ende August fortgesetzt wird, durchaus im Weg der Verweisung an eine Strafkammer geschehen.
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