Sozialkritik im fragilen Glas

Steffen Orlowski drückt in seinen Werken aus Glas auch seine Sorge um die Zukunft unseres Planeten aus. Bild: Eisenberg

Change - im Sinne von Veränderung - kann als Lebensmotto von Steffen Orlowski gelten. Denn er zitiert gerne die russische Malerin Olga Rosanowa, die einst schrieb: "Es gibt nichts Schlimmeres als einen Künstler, der sich nicht verändert."

Glasbläser, -designer und -künstler - so lässt sich der Werdegang von Steffen Orlowski in aller Kürze beschreiben. Der Künstler aus dem thüringischen Glaszentrum Lauscha - vergleichbar mit Zwiesel im Bayerischen Wald, wo er das Fachschul-Studium absolviert hatte - stellt derzeit unter dem Titel "Change!" im Kunstkombinat aus. Zu sehen sind nicht nur faszinierende Glasskulpturen, sondern auch die Ergebnisse von Ausflügen in andere Genres.

Die bei Vernissagen übliche Laudatio entfiel, stattdessen führte Marion Mack vom Kunstkombinat ein Interview mit dem Künstler. Dies war ein guter Einfall, denn kein Experte hätte besser in das Werk und die Denkweise Orlowskis einführen können, als er selbst. Eloquent und mit spürbarer Begeisterung für seine Arbeiten erklärte er die Intuitionen, die seinen Schaffensprozess in Gang setzen. Seine Liebe zum Material Glas entflammte schon im Kindesalter, als er in seiner Heimat die Glasbläser beobachtete.

Die fragile Transparenz des Materials und dessen Formbarkeit, wenn es im Ofen erhitzt wird, faszinierten ihn. Er war erst Glasbläser, dann Designer, was für ihn nicht ganz befriedigend war, da er sich am Geschmack der Käufer und an der aktuellen Mode orientieren musste. Da war der Schritt zum Glaskünstler nur folgerichtig. Dass er auf dem richtigen Weg ist, belegt seine Berufung zum freien Dozenten an die Akademie der bildenen Künste in München. Mit einem kleinen, massiven Männchen aus Silber, wie ein Zinnsoldat an die Allgegenwart des Militärischen in unserem Gemeinwesen erinnernd, das auf einer großen Glaskugel herumstapft, zeigt er ganz offensichtlich die Zerbrechlichkeit unseres Planeten.

Und die Münzen, die Steffen Orlowski in manchen Glasobjekten mit einbaut, weisen auf die alles beherrschende Macht des Kapitals hin. Die Bezeichnungen der Skulpturen sind ein wertvoller Wegweiser und führen den Ausstellungsbesucher direkt in die Gedankenwelt des Künstlers.
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