Spielsucht ruiniert die Firma

Am Ende waren es rund 475 000 Euro. Weil die Autohändlerin diese Steuerschulden nicht bezahlen konnte, landete sie auf der Anklagebank. Dabei stellte sich heraus: Die 36-Jährige hat viel Geld verzockt und trotzdem "gut gelebt". Heute müsse sie mit 470 Euro auskommen.

Das für Wirtschaftsstraftaten zuständige Schöffengericht Regensburg unter Vorsitz von Richter Dr. Alexander Guth verurteilte die Kauffrau am Mittwoch wegen Steuerhinterziehung in drei Fällen.

Die 36-Jährige erhielt ein Jahr und neun Monate auf Bewährung, dazu kam eine Geldstrafe von 400 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Seit 2004 betrieb die Angeklagte jeweils als Einzelfirma einen Autohandel und eine Autoverwertung. Damit erzielte sie Umsätze im mehrstelligen Millionenbereich. Entsprechend hoch waren die Gewinne.

Als die Steuererklärungen für 2008 ausgeblieben waren, kam das Finanzamt zwei Jahre später zu einer Betriebsprüfung. Da es Anhaltspunkte gab, dass von 2004 bis 2007 die Einnahmen unvollständig angegeben waren, wurde die Steuerfahndung eingeschaltet, die zu mehreren Hausdurchsuchungen anrückte.

Liquiditätsprobleme

Die Ermittlungen ergaben, dass ein Geschäftspartner der Frau deren Namen und Briefpapier missbraucht hatte, um Steuern zu hinterziehen. Die 36-Jährige hatte ihre Umsätze bis 2007 ziemlich vollständig erfasst. In dem Veranlagungszeitraum, für den sie keine Erklärungen abgab, waren jedoch Steuerschulden von rund 475 000 Euro aufgelaufen.

Der Sachbearbeiter des Finanzamtes berichtete dem Gericht, die Frau habe zunächst gar nicht glauben können, dass ihre Verbindlichkeiten gegenüber dem Fiskus derart hoch waren. Der Zeuge mutmaßte, die Steuererklärungen seien schon allein deshalb unterblieben, weil die Betriebe in erheblichen Liquiditätsproblemen steckten. "Man hat einfach zu viel entnommen."

Da die 36-Jährige die Steuerschulden nicht zahlen konnte, landete sie auf der Anklagebank. Unter Tränen gestand sie, dass die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stimmten. Sie bereue zutiefst. Die Frau erklärte, sie habe den Überblick verloren und durch einen zweiten Steuerberater nochmals alle Geschäftsvorgänge durchbuchen lassen.

Doch da sei es einfach schon zu spät gewesen. Zudem habe sie 2007 eine schwierige Schwangerschaft gehabt. Schließlich sei sie den Belastungen durch Kind und Betriebe nicht mehr gewachsen gewesen.

Als der Richter nachfragte, was denn aus dem Geld geworden sei, räumte sie ein, dass sowohl sie selbst als auch ein nahes Familienmitglied spielsüchtig gewesen seien und große Summen in Tschechien verzockt hätten. Auch habe sie "sehr gut gelebt". Heute hingegen müsse sie mit einem 470-Euro-Job auskommen. Ihr Lebensgefährte unterstütze sie.

Keine Wiedergutmachung

Der Staatsanwalt hielt der Angeklagten zugute, dass sie - anders als am Spieltisch - sofort reinen Tisch gemacht und nicht versucht habe, um das Strafmaß zu zocken. Jedoch handle es sich zumindest bei der Einkommensteuer um einen "besonders schweren Fall", da der Schaden allein hier bei über 100 000 Euro liegt. Auch sei heute an keine Schadenwiedergutmachung mehr zu denken. Der Anklagevertreter forderte ein Jahr und neun Monate auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 400 Tagessätzen. Der Verteidiger schloss sich dem an und bat um eine milde Strafe.
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