Spontan mit viel Fantasie

Der Jugendtheaterclub inszenierte mit viel schwarzem Humor mehrere Versuche, eine Beerdigung mit Trauermarsch ordentlich hinzubekommen. Lohn war Platz 1 beim Spontan-Theatertag. Bild: Hartl

Maximal acht Gruppen mit jeweils maximal acht Mitgliedern werden zugelassen. Sie dürfen ein Kurz-Theaterstück von höchstens acht Minuten aufführen. Erschwert wird das dadurch, dass die Teilnehmer das Thema für ihre Produktionen erst am Tag des Auftritts mitgeteilt bekommen.

Allerdings traten nur sechs der acht gemeldeten Komödiantentruppen zum entscheidenden Auftritt an, da die Herbstgrippe bei zwei der Ensembles krankheitsbedingte Ausfälle verursachte. Dennoch herrschte am Sonntagabend kurz vor Beginn der elften Auflage des Amberger Spontantheatertages SPOTT11 im Ring-Theater Lampenfieber.

Da wurden noch schnell Requisiten geordnet, Texte memoriert oder ein entspannender kleiner Plausch mit den Mitgliedern anderer Teams gehalten. Denn man kannte sich. Die meisten der Darsteller waren keine SPOTT-Neulinge, sondern haben schon in den vergangenen Jahren um den ersten Platz gespielt. Die Erfahrung, die sie bisher sammeln konnten und ihre Leistungen als Autoren, Schauspieler und Regisseure machten es der Jury nicht immer einfach.

Hai als Vegetarier

Eugen Burger, Barbara Cosima Frey, Kristina Sandig und Egid Spies können auch schon auf eine mehrjährige SPOTT-Erfahrung zurückgreifen. Mit Unterstützung von Michaela Stammler, die als Publikumsvertreterin im Preisgericht fungierte, diskutierten und bewerteten sie die Stücke, in denen sich die Schauspieler mit dem Thema "Das letzte Mal", alternativ auch "Das letzte Mahl", auseinandersetzten.

Als erstes musste "Obstsalat" auf die Bühne. Sie brachten eine Szene aus einer Lesbenbar, in der künstlerischen Ausgestaltung nah an der Realität. Denn wenn Bars auch so manchem als perfektes Revier zum Anknüpfen von Kontakten gilt, ist oft wegen der Lautstärke der Musik ein vernünftiges Gespräch nicht möglich. Die Unmöglichkeit der Kommunikation verdeutlichten die schauspielernden Früchte durch geschriebene Dialoge, die an die Dramaturgie von Stummfilmen erinnerte.

Die Erlebnisse eines "kleinen Fisches" mit einem zum Vegetarismus bekehrten Hai zeigte das Ensemble Zentral. Als Überschrift stand hier das letzte "Mahl" und, man ahnt es schon, es ging tragisch für das Fischlein aus.

Der Jugendtheaterclub unter der Leitung von Winnie Steinl zeigte sich von seiner makabren Seite. Schwarzhumorig inszenierte er mehrere Versuche, eine ordentliche Bestattung samt Trauermarsch abzuhalten und errangen mit ihrem Stück Favoritenstatus. Aber noch standen drei weitere Beiträge aus.

Denn auch die jungen Damen von den DJD-Players zeigten viel Fantasie. Sie brachten verschiedene Sichtweisen des selben Ereignisses auf die Bühne und lieferten damit ein eindringliches Stück über die Sprachlosigkeit und das Unverständnis für den Anderen in unserer Zeit ab. "Die Bretter" verbanden "das letzte Abendmahl" mit der "Reise nach Jerusalem". Sie haben sich viel Mühe gegeben und sind dabei leider übers Ziel hinausgeschossen. Das Ergebnis: die vorgegebene Zeit wurde um mehr als ein Viertel überschritten. Das honorierte die Jury mit einem empfindlichen Punktabzug.

Eng beieinander

Höchst originell war auch der letzte Beitrag. "Kater Fridolin" inszenierte das "letzte Abendmahl" - diese Assoziation mit dem Thema schien fast zwingend - als Koch-Show mit Jesus als Gast-Star. Das brachte der Truppe einen verdienten zweiten Platz, knapp vor den DJD-Players. Den Siegeslorbeer erhielt dann auch der Jugendtheaterclub. Die Reihenfolge hätte anders aussehen können, denn die Ergebnisse der drei führenden Ensembles lagen eng beieinander.

Bleibt zu hoffen, dass es für SPOTT nicht das letzte Mal war und es weitergeht, vielleicht unter dem Motto "das allerletzte Mal". Bei den regionalen Theatergruppen sind noch keine Ermüdungserscheinungen festzustellen - beim Publikum auch nicht.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.