St. Katharina bald mit Gerüst

Dekan Markus Brunner fuhr sich mit der Hand über den Kopf und entfernte die Spinnweben. "In der Sakristei war wirklich schon lange niemand mehr", stellte der Geistliche fest. Das soll sich ab kommenden Jahr ändern. Wenn es nach dem Willen der Pfarrei geht, könnte im Januar mit der Sanierung der Friedhofskirche begonnen werden.

Es liegen Brocken auf dem Boden, tiefe Gräben verunstalten den Altarraum, Staub liegt zentimeterdick auf den Bänken. Das im Jahr 1387 erbaute Schmuckstück ist nicht erst seit gestern baufällig. Als im August 2012 Teile der Decke herab segelten wurde das Gotteshaus geschlossen. Seitdem ist es in einen Dornröschenschlaf gefallen. Kirchenpfleger Hans Paulus betonte, dass für die Sanierung schlichtweg das Geld gefehlt habe. Vor allem, nachdem vor einem Jahr der Bauausschuss dem Verkauf des Grundstücks an der Martinshöhe einen Strich durch die Rechnung gemacht habe, sei eine wesentliche Einnahmequelle für die Renovierung der Friedhofskirche weggefallen. Die 1500 Quadratmeter zwischen Lessing- und Erich-Kästner-Straße, im Besitz der Pfarrei St. Georg, hätte ein privater Bauträger erstanden und mit einem dreigeschossigen Reihenhaus bestückt. Das Gremium und Anwohner entschieden sich dagegen und das Grundstück wurde nicht verkauft. Trotzdem soll es jetzt endlich losgehen, "denn die Katharinenfriedhofskirche ist vielen Leuten ein Anliegen", sagte Brunner. Der erste Bauabschnitt sei finanzierungstechnisch beinahe "in trockenen Tüchern". Architekt Heinrich Schwirzer analysierte das Gebäude und brachte verheerende Zustände ans Tageslicht.

"Auch wenn es von außen ganz passabel aussieht, hier sind erhebliche Schäden, die saniert werden müssen." Durch frühere "Schutzmaßnahmen" (ein gemauerter Betonsockel) sei die Feuchtigkeit erst recht in dem Mauerwerk geblieben. Deshalb stehen zunächst Trockenlegungsarbeiten, das Verfugen der Risse, die statische Sicherung und Sanierung der Hülle sowie Arbeiten am Dachstuhl an. Vor allem auch der Dachreiter, in dem die Glocken untergebracht sind, werde erneuert. Pfarrer Brunner fiel dazu eine Anekdote ein: "Wir mussten das Turmkreuz, das obendrauf war, abmontieren, denn wenn die Glocken läuteten, wackelte der ganze Dachreiter mit. Nicht dass es noch jemanden erschlagen hätte."

Noch offen ist, ob auch der zweite Bauabschnitt verwirklicht werden kann. Hier sind Diözese und Pfarrei verschiedener Meinung, verriet der Dekan. Die kirchlichen Vertreter aus Regensburg seien der Ansicht, dass auch eine Innenrenovierung der Pfarrkirche St. Georg anstünde und diese Vorrang genießen sollte. "Aber Katharina ist ein Gotteshaus vor allem für Trauernde und Menschen in Krisensituationen." Außerdem möchte Brunner künftig vor allem für die Pfarrfamilie vom Eisberg und der Katharinenhöhe wieder werktags darin Gottesdienste abhalten.

Architekt Schwirzer hat zum Gebäude natürlich eine klare Meinung: "Ein hochwertiges Baudenkmal wird durch Stillstand nicht besser." Ungefähr eine Million Euro soll der erste Bauabschnitt kosten. Etwas weniger als ein Viertel davon werde die Pfarrei St. Georg tragen müssen, schätzte Kirchenpfleger Paulus. (Angemerkt)
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