St. Marien hatte Konzept für BWK-Kauf fertig - Vor allem an 500 000 Euro gescheitert
Reha-Klinik hätte "ideal gepasst"

Am Dienstag hat schon das erste Lamento begonnen: "Bekommt Amberg mit dem Bundeswehrkrankenhaus ein zweites Forum?" Die am Montag bekannt gewordene Insolvenz des Eigentümers, der Golden Gate GmbH, ist alles andere als vertrauenerweckend. Ängste werden laut, dass dem Gelände dadurch ein Stillstand drohen könnte wie dem seit Jahren brachliegenden früheren Kaufhaus an der Bahnhofstraße, das ebenfalls in den Händen eines privaten Investors ist.

Das hätte alles nicht sein müssen, sagt Wilhelm Daller, der ehemalige langjährige Vorstand des Klinikums St. Marien. Er war es gewesen, der federführend ein Konzept für das freigewordene Bundeswehrkrankenhaus (BWK) entwickelt hatte. Eines, das seiner Ansicht nach "ideal für Amberg gepasst hätte". Nämlich: eine Reha-Klinik für die Fachbereiche Orthopädie, Neurologie, Kardiologie und Geriatrie. Zum stationären Akutkrankenhaus wäre laut Daller die "ideale Ergänzung" gekommen: St. Marien hätte entlassene Patienten quasi in seine eigene Reha-Klinik am selben Ort senden können. "Heute muss das Klinikum diese Leute wegschicken in teils entlegene Häuser", weiß der Ex-Vorstand, der 25 Jahre an der Spitze von St. Marien stand.

Durch die unmittelbare Nähe beider Einrichtungen in einer Stadt hätten nicht nur die Angehörigen bei Besuchen ohne weite Fahrstrecken Vorteile gehabt, sondern auch die Betroffenen: Sie hätten zum Beispiel bei einer Verschlechterung ihres Zustands in der Reha von Ärzten St. Mariens ohne große Wege weiterversorgt oder in schlimmeren Fällen ohne Aufwand ins Klinikum zurückverlegt werden können. "Da wären sehr gute Synergieeffekte dringesteckt", betont Wilhelm Daller, der das auch in wirtschaftlicher Hinsicht so beurteilt hatte. Allein was an Arbeitsplätzen in einer neuen Reha-Klinik entstanden wäre, hätte der Stadt einen ordentlichen Schub gebracht. Rechnet man die ganzen Zulieferleistungen und -dienste ein, die so ein Haus braucht, wären sicher Millionen geflossen, weitere Beschäftigung und Firmen gesichert worden.

"Da hätte eine tolle Geschichte draus werden können - die Synergieeffekte wären erheblich gewesen", sagt Daller, "so hätten wir alles vor Ort gehabt, das wäre ein Paket gewesen". Warum dieser Traum nie wahr wurde, dafür gibt es nach Auskunft des Ex-Vorstands vor allem einen finanziellen Grund, dessen Ausmaß allerdings kleiner war, als man vermuten könnte. Auch das verriet Daller auf Anfrage der AZ und öffnet damit ein Nähkästchen aus Verhandlungszeiten mit der Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb (Gebb), aus dem bisher niemand laut geplaudert hat.
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