Staatssekretär Albert Füracker verteidigt die Behördenverlagerung
Ja, Amberg hat ein Kino

"Ostbayern ist ein richtiges Zentrum der Vermessung und Digitalisierung geworden", freut sich Staatssekretär Albert Füracker (links). Das beweise diese Standortkarte. Und auch Landrat Richard Reisinger (Mitte) und Oberbürgermeister Michael Cerny sind zufrieden. Auch wenn der Landrat im Sinne einer "Raumlösung" keine Zugewinne im Landkreis verbuchen kann. Bild: Stephan Huber

Der Staatssekretär kommt gerne an die Vils. "Die hätten in Amberg eine Votivtafel für den Füracker aufgestellt, wenn ich eine Behörde mit 300 Leuten hierher verlegt hätte", sagt der CSU-Landtagsabgeordnete aus Neumarkt, wo man gänzlich leer ausging. "Aber was hätten die anderen davon gehabt?" Soviel zu lieber kleckern als klotzen.

Für Albert Füracker schließt sich im Amberger Vermessungsamt der Kreis: Hier hatte er zusammen mit Heimatminister Markus Söder die Gründung des Breitbandzentrums verkündet. Ein knappes Jahr später verteidigt er an gleicher Stelle die Behördenverlagerung des Ministers, "an der ich mitarbeiten durfte".

Es ist Teil des politischen Betriebs, dass die Regierung eigene Beschlüsse mit Pauken und Trompeten verkündet - und sie die Opposition in Bausch und Bogen verdammt. Mit "halber Gießkanne" habe man die Stellen übers Land verteilt, findet Claudia Stamm (Grüne). Als "Tropfen auf den heißen Stein" wertet Annette Karl den Verschiebebahnhof. Eine "kardinale Fehlentscheidung" nennt Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) die Verlagerung der Autobahndirektion-Süd nach Deggendorf.

Naturgemäß sieht das Söders Staatssekretär anders. Und mit ihm alle, die von dem Coup profitieren - und das sind, der kleinteiligen Taktik sei Dank, nicht wenige. In den Chor der Gratulanten stimmen Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny und Amberg-Sulzbachs Landrat Richard Reisinger ein - beide nie um griffige Anekdoten verlegen. "Zu Strafversetzung fällt mir Ludwig Thoma ein", zitiert Reisinger, "bei dem Filser verkündet, dass der unflätige Bezirkshauptmann nach Hof versetzt wird - das war das Stimmungstief im Film." Dabei geht es ja gerade nicht um Strafversetzung, wie das CSU-Trio betont. Auch ein Kritikpunkt, denn die Freiwilligkeit bedingt eben auch den langen Umsetzungskorridor von fünf bis zehn Jahren.

Um das zu beschleunigen, möchte Cerny mit Überzeugungsarbeit nachhelfen. Denn da gibt es bei manchem Großstädter wohl noch Aufklärungsbedarf: "In Amberg, gibt's da auch ein Kino?", habe ihn ein Redakteur die Befürchtung einer Angestellten kolportiert. Cerny möchte mit Vermittlung des CSU-Landtagsabgeordneten Harald Schwartz nun auf die Beamten zugehen und für die "schöne Region" werben.

Imagegewinn statt Ersatz

Die zwei Behörden, die Amberg erhalte, könnten nicht den Abzug der Soldaten kompensieren. Aber wie schon das Breitbandzentrum stellten sie einen Imagegewinn dar: "Bei der IT-Stelle Justiz sehe ich Synergien mit der Justiz-Beratungsstelle." Und für den klassischen Bildungsstandort Amberg freue ihn der Zuzug des Instituts für Frühpädagogik (IFP). "Jeder, der in der Thematik einigermaßen bewandert ist, weiß, welche Rolle das spielt."

Apropos IFP: So wie eine pädagogische Einrichtung glänzend zur Schulstadt Amberg passe, so habe man für jeden Standort versucht, passende Einrichtungen zu finden, betont Füracker. "Die Verlagerungen in ,Räume mit besonderem Handlungsbedarf' ist keine Erfindung von Söder und mir, sondern eine Entscheidung auf Grundlage von Daten und Zahlen." Weiteres Kriterium: "Wo bewirken wir die größten Struktureffekte?"

Besonderer Handlungsbedarf habe in der Oberpfalz überall außer in Regensburg und Neumarkt bestanden: Die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth sowie Stadt und Landkreis Amberg mit der besonderen Konversionsproblematik verdienten die meiste Beachtung. "Wir haben in diesem Prozess geschaut, etwas zu finden, was zur Örtlichkeit passt - kleinräumig war dabei ausdrücklich gewünscht, um möglichst jedem Raum etwas zu helfen."
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