Stadt und Landkreis gemeinsam auf Quartiersuche
Junge Flüchtlinge: Im "Kastl" wäre Platz

Das Jesuitenkolleg (Bild) bot schon im Jahr 1626 Männern, die studierten, ein Quartier. Nach dem Rückzug des Max-Reger-Gymnasiums 2012 konnte sich Stiftungsdirektor Dr. Peter Donhauser an dieser Stelle des Malteser-Komplexes wieder studentisches Leben vorstellen. Jetzt aber sind Quartiere für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Gespräch. Bild: Kosarew
Amberg. (tk) Wo einst Max-Reger-Gymnasiasten lebten, herrscht längst gähnende Leere. Die Internats-Außenstelle, die im Volksmund "Kastl" hieß und im Malteser-Komplex untergebracht war, verwaiste im Sommer 2012 wegen zu geringer Schülerzahlen. Seitdem warten 3580 freie Quadratmeter auf neues Leben.

"Ich suche eine Nutzung für das gesamte Gebäude. Ich komme aber da im Moment nicht weiter", hatte Peter Donhauser, Direktor der für das Areal zuständigen Studienseminar-Stiftung, im Oktober gesagt (wir berichteten). Das Anwesen, das vom Staat verwaltet, aber nicht finanziert wird, hatte er damals noch nicht auf dem freien Markt angeboten.

Der Bedarf ist da

Der Bericht in der Amberger Zeitung machte die Stadt laut Jugendamtsleiter Richard Donhauser auf die Möglichkeit aufmerksam, dort Unterkünfte für Asylbewerber zu schaffen - genauer gesagt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. 14 von ihnen leben bereits im Stadtgebiet in zwei Wohngruppen - eine befindet sich in der Innenstadt, die andere in Nähe der AOK an der Krumbacher Straße. "Es fehlen noch zehn Plätze", teilt Donhauser auf Nachfrage mit: "Neuesten Berechnungen zufolge müssen wir in Amberg 24 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterbringen."

Die Zusage steht

Die Planungen gingen aktuell eher in die Richtung, dass Stadt und Landkreis gemeinsam ein Quartier für 36 Kinder und Jugendlichen suchen. Derzeit werde geprüft, ob sich dieses Vorhaben im "Kastl" umsetzen ließe. "Momentan haben wir keine freien Plätze", lässt Richard Donhauser wissen und macht kein Geheimnis daraus, dass er das der Regierung auch so mitgeteilt hat: "Ich habe Fehlanzeige gemeldet." Amberg wolle aber definitiv seiner Verpflichtung nachkommen und zehn weiteren jungen Leuten aus Kriegs- und Krisengebieten eine Heimat geben. Das habe das Jugendamt fest zugesagt.

Sollte eine räumliche Lösung im Stadtgebiet gefunden werden, könnten die ersten Flüchtlinge bereits im April nach Amberg ziehen. Eine Frist, bis zu der die Stadt Unterkünfte gefunden haben muss, gibt es laut Richard Donhauser aber nicht - weder vom Sozialministerium noch von der Bezirksregierung: "Momentan sind wir Gott sei Dank nicht unter Druck." Sollten sich die Flüchtlingsströme in naher Zukunft weiter vergrößern, könne sich das allerdings von heute auf morgen ändern. Dann seien die Jugendämter unter Zugzwang. "Momentan ist das aber nicht so."

Idee kommt an

Ein Betreiber steht jedenfalls schon in den Startlöchern. Das Ernst-Naegelsbach-Haus in Sulzbach-Rosenberg betreut am Stammsitz bereits zwölf minderjährige Ausländer, die alleine auf der Flucht waren. "Ich denke, das läuft ganz gut", sagt Leiter Stefan Reither und bestätigt das eventuelle Engagement in Amberg: "Wir haben unser Interesse bekundet."

Da auch der Landkreis Unterkünfte für junge Flüchtlinge vorhalten muss, biete es sich an, "das zusammen zu machen". Im Ernst-Naegelsbach-Haus selbst sei jedenfalls kein Platz mehr. Auch deswegen sei eine Unterbringung im Malteser-Komplex durchaus vorstellbar.
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