Stark: Drücken und Leben retten

Spüren, hören, fühlen: Ob ein Mensch nicht mehr atmet, testet man als Ersthelfer, indem man sein Ohr ans Gesicht des Opfers hält. Atmet der Betroffene, spürt und fühlt man das. Richtet man die Augen auf den Brustkorb, sieht man, ob sich dieser gleichmäßig hebt und senkt.

Ein Mensch bricht zusammen, er atmet nicht mehr, sein Herz steht still. Mit jeder Minute, in der nichts geschieht, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er überlebt, um zehn Prozent. Menschen, die beherzt Erste Hilfe leisten, sind gefragt - doch was tun?

Dass viele Menschen sich scheuen, Erste Hilfe zu leisten und Menschen zu reanimieren, liegt zu einem großen Teil an Unsicherheit und der Angst, etwas falsch zu machen. Das Bayerische Rote Kreuz hat deshalb die Kampagne "Wenn das Herz plötzlich still steht - drücken ist stark" gestartet, um Menschen in der Herz-Lungen-Wiederbelebung auszubilden.

Zwei Dummys mitgebracht

Daran beteiligt sich auch der Kreisverband Amberg-Sulzbach, der seine Auftaktveranstaltung bei der Amberger Zeitung abhielt. Die beiden Mitarbeiter Volker Kratzer, Rettungssanitäter und Erste-Hilfe-Ausbilder, und Rettungsassistent Georg Häckl, der hauptberuflich in der Integrierten Leitstelle arbeitet, waren dazu in den Verlag gekommen und hatten zwei Dummys mitgebracht.

An ihnen durften die AZ-Mitarbeiter die Herz-Lungen-Wiederbelebung üben. Kratzer und Häckl erläuterten zunächst, wie man feststellt, ob ein Mensch noch atmet: hören, sehen, fühlen. Konkret bedeutet das: Der Ersthelfer beugt sich so über das Opfer, dass sein Ohr an dessen Gesicht ist. So könne man die Atmung spüren und auch hören. Drehe man seinen Kopf und richte den Blick auf den Brustkorb, könne man sehen, ob sich dieser gleichmäßig hebe und senke. "Ist das nicht der Fall, startet man mit der Wiederbelebung."

Die beiden Erste-Hilfe-Profis schärften den Interessierten ein, zuvor noch über die Notrufnummer 112 den Rettungsdienst zu verständigen. Georg Häckl fügte hinzu, dass die Disponenten der Integrierten Leitstelle auch Telefonreanimation anbieten. Das heißt, sie bleiben am Telefon und leiten Ersthelfer bei der Wiederbelebung an - und zwar so lange, bis Notarzt oder Rettungsdienst eintreffen. "30 Mal drücken, 2 Mal beatmen", so lautet die simple Formel für die Herz-Lungen-Wiederbelebung, die solange fortgesetzt wird, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Einfach, aber wirkungsvoll - denn: Mit jeder Minute, in der nichts getan wird, sinkt die Überlebenschance des Betroffenen um zehn bis zwölf Prozent. Von der Rettungswache bis zur Amberger Zeitung braucht ein Team im Notfall fünf bis sechs Minuten. Geschehe in dieser Zeit nichts, sinken die Überlebenschancen um 50 bis 60 Prozent. "Deshalb ist es wichtig, gleich damit zu beginnen", sagte Häckl. Er und sein Kollege beruhigten die AZ-Mitarbeiter: Man könne nichts falsch machen. Das einzig Falsche sei, nichts zu tun. Die BRK-Helfer führten vor, was zu tun ist: Den Handballen mittig auf den Brustkorb aufsetzen, die zweite Hand drüber und kräftig drücken. "Etwa fünf bis sechs Zentimeter tief", so der Hinweis von Häckl. Damit die Leute eine Vorstellung davon bekamen, wie tief das wirklich ist, brachte er den Vergleich mit einem Tennisball. "Ob das nun 32 oder nur 29 Mal sind, ist nicht ausschlaggebend", sagte Häckl. "Wichtig ist, dass was gemacht wird."

Durch Mund oder Nase

Wer unsicher ist, ob er den richtigen Takt beim Drücken hat, kann sich an Liedern wie "Stayin' alive" oder "Highway to hell" orientieren - sie haben genau den richtigen Rhythmus. Die beiden Profis gaben auch Tipps zur Atemspende: entweder durch die Nase oder den Mund des Opfers. "Ganz normal atmen, nicht erst tief Luft holen", riet Häckl.

Die Aktion "Drücken ist stark" läuft bis ins späte Frühjahr. Zum Abschluss gibt es am Freitag, 8. Mai, laut BRK-Kreisgeschäftsführer Björn Heinrich einen Erste-Hilfe-Parcours in der Innenstadt. Das Datum ist nicht zufällig gewählt: An diesem Tag wurde 1828 Henry Dunant geboren, der Begründer des Roten Kreuzes.
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