Staunen über das "Wundernetz"

Bunt bemalte Buchstaben aus Holz lehnen im Innenhof des Heilpädagogischen Zentrums an der Wand und ergeben aneinandergereiht das Wort "außergewöhnlich". Außergewöhnlich ist auch das Engagement der Projektpartner (von links): Eduard Freisinger, Thomas Boss), Maja Berendes, Hildegard Legat, Julia Wolfsteiner, Christoph Rolf und Johann Bauer. Bild: upl

Bis heute leben Menschen mit Behinderung teilweise in einer Parallelgesellschaft. Volle Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen gelingt nur selten. Das soll sich jetzt ändern - auch in Amberg.

"Wir haben ein ganzes Stück Arbeit vor uns", sagt Monika Ehrenreich, die sich als Freie Mitarbeiterin bei der Lebenshilfe engagiert. Gestern stellte sie im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) am Fallweg das Projekt "Gemeinsam unterwegs - das Wundernetz" vor. Es soll dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderungen nicht nur gepflegt und betreut werden, sondern volle Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen erlangen.

Bei Bildung und Kultur setzt die Amberger Lebenshilfe an. Sieben Projektpartner aus diesem Bereich unterzeichneten am Dienstag im HPZ einen Kooperationsvertrag, um die Inklusion voranzutreiben. Die Offene Behindertenarbeit (OBA) der Lebenshilfe unter der Leitung von Hildegard Legat koordiniert das Projekt. Mit dabei sind die Volkshochschulen von Stadt und Landkreis, die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Amberg-Weiden, die Katholische Erwachsenenbildung, das Evangelische Bildungswerk und Oberpfalz TV. Und nicht fehlen dürfen natürlich die Betroffenen selbst. "Menschen mit Handicap arbeiten von Anfang an mit", erklärt Ehrenreich. "Unsere Jugendlichen entwickelten den Namen Wundernetz. Er steht für das Staunen und die Freude darüber, wie viele Menschen dabei in Kontakt gebracht werden."

"Leichte Sprache" fördern

Ein wichtiges Ziel ist beispielsweise die Förderung der "leichten Sprache". Fremdwörter und Schachtelsätze erschweren oft die Lesbarkeit von Texten - auch an der Volkshochschule. So plant das "Wundernetz", Behinderte zu Prüfern für "leichte Sprache" ausbilden zu lassen. Sie könnten dann Anlaufstelle für Behörden und Unternehmen sein, die ihre Texte entsprechend zertifizieren lassen wollen. Die OTH-Professoren Dieter Meiller und Karlheinz Müller wollen zusammen mit ihren Studenten aus den Bereichen Medienproduktion und Medientechnik an der Barrierefreiheit von Internetangeboten feilen. Sie basteln an einer Symbolsprache für Menschen mit Behinderung, die später kostenlos zur Verfügung steht. Bei Oberpfalz TV dürfen Menschen mit Handicap alle drei Monate ein halbstündiges Magazin produzieren und dann natürlich auf Sendung gehen.

Unterstützung bekommen die Kooperationspartner von der Aktion Mensch. Das Hilfswerk trägt mit bis zu 250 000 Euro Fördervolumen zwei Drittel des Projekts. 125 000 Euro investiert die Lebenshilfe selbst. In den nächsten Wochen ist ein Kennenlerntreffen aller bisheriger Teilnehmer geplant.

Scheuklappen ablegen

"Wir wollen einfach Ängste abbauen und dafür werben, offen miteinander umzugehen", unterstreicht Ehrenreich. Viele Menschen fühlten sich für den Umgang mit Behinderten nicht gerüstet und scheuten deswegen den Kontakt. "Sobald man miteinander zu tun hat, entsteht eine natürlich Assistenz. Aber dazu muss man das Miteinander erst einmal zulassen."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.lebenshilfe-amberg.de
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