St. Martin glänzt wie's Abendrot

Ganz oben an der Turmspitze machen die Gerüstbauer das Gewirr von Stangen und begehbaren Platten noch einmal dichter, weil die beiden Spengler Josef und Peter Bönisch hier die letzten und immer kleinteiliger werdenden Arbeiten zu verrichten haben. Bild: gf

Sie machen einen glänzenden Job - im doppelten Wortsinn. Die Spengler arbeiten nicht nur zügig in zugiger Höhe. Sie verleihen dem Martinsturm an oberster Spitze auch seine neue Strahlkraft. Indem sie in Handarbeit die rötlich leuchtenden Kupferbleche anbringen, die die Haube prächtig wie die Abendsonne schimmern lassen.

Stück für Stück hat sich in den vergangenen Tagen das Gerüst um die sogenannte Turmbekrönung gelichtet, so dass man von unten und weithin diese blitzende Veränderung schon durchscheinen sieht. Nur bis Ende des Monats soll es noch dauern, dann ist die neue Verkupferung der mächtigen Dachhaube abgeschlossen. Oben kann man die Ausmaße der Pracht auf ihrer Grundfläche von 12x12 Metern in voller Größe bewundern. Ein Bild, das die AZ heute gern noch mal zeigt, weil es aus dieser Nähe wohl erst in Jahrhunderten wieder zu machen ist. Wenn das Gerüst abgebaut ist, kommt man per pedes von außen nicht mehr so hoch hinauf (hinaus).

Tatsächlich gehen die Arbeiten von Spenglermeister Josef Bönisch und seinem Bruder Peter in den Endspurt. Nur noch die oberste Rundung der Haube haben sie zu verkleiden. Von der Traufe der "Zwiebel" bis auf die Dreiviertelhöhe sind sie schon fertig. Die Laterne darüber wurde bereits vor Wochen abgeschlossen, auch die Kugel und die Wetterfahne - ebenfalls saniert und sogar vergoldet - sind wie berichtet schon Ende September aufgesetzt worden. Vor allem dafür hatte offenbar "Petrus den Ventilator abgestellt", lacht Carola Setz, die Architektin für die Sanierung aus Regensburg. Tatsächlich weht um die oberste Spitze des Martinsturms fast immer eine steife Brise (ab Mittag sogar zunehmend). Am Tag, als die Wetterfahne und die direkt darunter sitzende Kugel zurückkehren sollten, flaute sie ab und erleichterte so die nicht ungefährlichen Arbeiten in 92 Metern Höhe. Selbst die Vergoldung für die Kugel wurde in dieser luftigen Höhe vor Ort von zwei Fachfrauen angebracht.

Der Turm ist fertig eingerüstet, die Sanierung des kupferbeschlagenen Helmes beginnt. Spätestens im Sommer 2015 zeigt sich die „welsche Haube“ des Turmes in hellem Rot-Ton. Bilder von Wolfgang Steinbacher und Uli Piehler.



Nicht nur das war beste Feinarbeit, auch die Spengler zeigen seit Spätsommer vergangenen Jahres, was echtes Handwerk im Wortsinn ist. Tatsächlich kommen die meisten Kupfertafeln, hauptsächlich in zwei unterschiedlichen Größen von 60x95 und 30x40 Zentimtern, praktisch unbearbeitet an der Trumspitze an. Sie werden erst vor Ort gebogen und gefalzt, wie das für die Rundungen der kugelförmigen Haube nötig ist. Dabei werden die Bleche von unten beginnend nach oben angeordnet und zwar so, dass ihre Ränder überlappend und beidseitig verfalzt werden. Das sorgt für die nötige Stabilität.

Überhaupt wurden bewusst kleinere Kupfertafeln anstatt größerer Bahnen verwendet, weil so die möglichen Probleme und Schäden bei Ausdehnung und Verschiebungen des Materials geringer bleiben. Das dient letztlich der Haltbarkeit der ganzen Verkleidung für die Zukunft, die ja wieder ein paar Hundert Jahre oder länger halten soll. Über die vor wenigen Wochen ebenfalls angelaufene Sanierung des Turmmauerwerks wird die AZ gesondert berichten.

Bilder von der Kuppel der Martinskirche und der Aussicht von oben über Amberg. Bilder: Harri Albert
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.