Strafkammer sagt deutlich: "Es gelingt einfach nicht, den Drogenhandel in der JVA zu ...
Immer wieder Rauschgift hinter Gittern

(hwo) Er wollte offenbar im Gefängnis einen illegalen Handel mit Kräutermischungen und opiumhaltigen Tabletten aufziehen. Dabei machten wohl zwei Mithäftlinge nicht so mit, wie es sich ein 28-Jähriger aus der östlichen Oberpfalz vorgestellt hatte. Dann setzte es Hiebe.

Kräutermischungen sind unberechenbar. Sie entfalten beim Rauchen berauschende Wirkungen, die sich nicht einschätzen lassen. Das nach Auffassung der Behörden "hoch gefährliche Zeug" kursiert nicht erst neuerdings auch in Justizvollzugsanstalten. Was beim Inhalieren geschehen kann, stellt ein Vorfall vom vergangenen Freitag in der Haftanstalt Regensburg unter Beweis. Dort mussten vier Gefangene als Notfall in Krankenhäuser eingeliefert werden.

Beim Landgericht Amberg sollte in der Vorwoche ein Berufungsprozess

ablaufen, der unter gleichgelagerten Vorzeichen stand. Der Vorwurf dabei, erhoben von Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier: Ein 28-Jähriger, der sein Leben seit langer Zeit in Gefängnissen zubringt, wollte in der Justizvollzugsanstalt an der Werner-von-Siemens-Straße einen Handel mit Kräutermischungen und sogenannten Subutex-Tabletten, einem Drogenersatzmittel, beginnen. Als dann zwei Handlanger nicht so mitmachten, wie er es wollte, soll es Schläge gesetzt haben.

Urteil auf dem Prüfstand

Das Amberger Schöffengericht hatte den Mann aus dem Raum Cham daraufhin zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Er ging in Berufung, auch die Staatsanwaltschaft beschritt diesen Weg in die nächste Instanz. Sie hatte in dem Verfahren dreieinhalb Jahre beantragt. Was nun vor der 3. Strafkammer geschah, war so nicht absehbar: Der Angeklagte, unterdessen wieder auf freiem Fuß, ließ über seinen Anwalt Dr. Georg Karl (Regensburg) mitteilen, er sei krank. Was ihm fehlte, blieb offen.

Krank? Die Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Dreßler mochte das so nicht recht glauben. Doch die Berufung verwerfen war unmöglich. Denn die Anklagebehörde beharrte auf eine neuerliche Verhandlung. Weit über eine Stunde lang wurde in Abwesenheit des 28-Jährigen die Situation erörtert. Dabei fielen Sätze wie dieser: "Es gelingt einfach nicht, den Drogenhandel in der JVA zu unterbinden." Das aber war schon aus vielen anderen Prozessen bekannt.

In zwei Wochen gibt es einen weiteren Termin. Dabei soll dann auch darüber diskutiert werden, ob der 28-Jährige einen längerfristigen Rauschgiftentzug braucht. Eine Zusage seiner Krankenversicherung zur Kostenübernahme hat er anscheinend. Das deutete sich bereits an. "Doch ich zweifle an seiner Motivation", ließ Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier erkennen.

Unberechenbare Mischung

Die Herstellung und der Handel mit Kräutermischungen, in denen sich synthetische Cannabinoide befinden, standen auch bei einem Prozess im Mittelpunkt, der im Vorjahr die Erste Strafkammer des Landgerichts über Tage hinweg beschäftigte.

Auf der Anklagebank saß dabei ein junger Amberger, der nur deshalb relativ glimpflich davon kam, weil er die unberechenbaren Mischungen weitgehend vor einer Gesetzesnovelle produziert und in Umlauf gebracht hatte. Erst nach dieser Änderung des Rechts war seine Vorgehensweise unter Strafe gestellt worden.
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