Strafrabatt für ein dreistes Gaunerstück - Mit einem Trick wertvolle Autos geklaut und ...
Nach einem Jahr Haft wieder in Freiheit

Er wollte seine Freiheit und bekam sie auch. Nach genau einjähriger Inhaftierung durfte ein Tscheche in seine Heimat ausreisen, der im Januar 2014 an einem dreisten Gaunerstück beteiligt war. Es ließ von der Machart her vermuten, dass die organisierte Kriminalität für Vorbereitung und Ausführung verantwortlich zeichnete.

Es schneite damals, als drei Männer an einem Autohaus im südlichen Kreis Schwandorf vorsprachen und sich Gebrauchtfahrzeuge zeigen ließen. Dann kam ein Trick, den bis dahin keiner kannte: Sie ließen sich die Schlüssel zu den Wagen geben, um ins Innere zu blicken. In einem für sie günstigen Moment wurden die Schlüssel ausgetauscht, kam es zu einem Wechsel, der dem Personal der Firma entging. Ergebnis: Die Originalschlüssel befanden sich in den Händen der Täter. Erst später ergaben Ermittlungen der Kripo, dass die zum Austausch benutzten Schlüssel vorher gezielt im Ausland gestohlen worden waren. Sie passten zwar zu den Pkw-Fabrikaten, nur eben nicht genau zu denen, die auf dem Gebrauchtwagen-Gelände standen.

Milde nach Geständnis

Eine Nacht später kehrten die gerissenen Diebe zurück. Zwei Autos konnten sie unbemerkt vom Hof manövrieren, das dritte musste zurückgelassen werden. Es war zugeparkt. Die beiden Fahrzeuge (Wert: 30 000 Euro) wurden durch die halbe Oberpfalz in Richtung tschechische Grenze gebracht. Bei Wernberg-Köblitz stoppten Zivilfahnder der Polizei auf der A 6 eines der Autos und nahmen den Fahrer, der keinen Führerschein besaß, fest. Der zweite geklaute Pkw ist bis heute verschollen. Er verschwand in den dunklen Kanälen von Leuten, die quasi auf Bestellung Fahrzeuge stehlen.

So kam es dann, dass nur einem Mitglied der offenbar straff organisierten Bande der Prozess gemacht werden konnte. Ein Amberger Schöffengericht hatte den 40-Jährigen im Oktober zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Schon damals sagte der gelernte Zimmermann: "Ich habe das Auto nur übernommen und sollte es nach Tschechien bringen." In der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht gab es ein sogenanntes Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen zwischen der von Richter Gerd Dreßler geführten Strafkammer, Verteidiger Peter Kanev und Staatsanwalt Tobias Kinzler. Danach beschränkte der Mann aus Tschechien seine Berufung auf das gegen ihn verhängte Strafmaß. Damit stand fest: Er räumte die Beteiligung an dem dreisten Coup ein, hatte somit - auch wenn er das nicht in Worte kleidete - nach geltendem Recht ein Geständnis abgelegt und durfte auf Milde hoffen. Den gewünschten Strafrabatt gab es auch. Die Kammer änderte das Ersturteil, verhängte 18 Monate zur Bewährung, hob den Haftbefehl auf und sorgte so dafür, dass der 40-Jährige heimgehen konnte.
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