Streik-Stress bahnt sich an

Gestern lief alles nach Plan. Heute wohl nicht: Die Lokführergewerkschaft GDL hat zum viertägigen Streik bei der Bahn aufgerufen. Bilder: Huber (3)

Natürlich fiebert Lukas Kodalle seinem Urlaub in Amsterdam entgegen. Aber als er in den Zug steigt, der ihn zum Zwischenstopp nach Regensburg bringt, schwindet die Vorfreude. Der 21-Jährige weiß wegen des Bahnstreiks nicht, wie er heute zum Münchener Flughafen kommen soll.

Amberg. (tk) "Ich bin davon ausgegangen, dass genügend Züge fahren", sagt Lukas Kodalle, der gestern um 11.36 Uhr mit der Bahn nach Regensburg fuhr, um dort über Nacht zu bleiben. Heute sollte es dann weiter zum Flieger gehen. Ob die Reise auch wie geplant ablaufen kann, wusste der Amberger, der notfalls auf einen Fernbus ("die einzige Alternative") ausweichen würde, zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Gut möglich, dass die Amsterdam-Tour ausfällt: "Das wäre natürlich schlecht. Der Rückflug ist ja auch schon gebucht."

Nur zum Teil Verständnis

Für alle, die ab heute für mindestens vier Tage die Arbeit niederlegen, hat der 21-Jährige dennoch Verständnis, wenngleich er als Beschäftigter der Metallbranche relativiert: "Wenn wir streiken, trifft's den Arbeitgeber. So aber sind zuerst die Kunden direkt betroffen." Ähnlich sieht's auch Thomas Retzer. Der 38 Jahre alte Amberger lebt seit 2012 in Nürnberg, pendelt aber werktags mit dem Zug um 6.30 Uhr zur Arbeit in die alte Heimat. An Streiktagen muss sich der Bankmitarbeiter ein Auto organisieren, oft das seiner Freundin: "Was kompliziert ist, denn die muss ja auch irgendwie in die Arbeit." Außerdem entstünden "immense Fahrtkosten, die du ja nicht erstattet kriegst".

Thomas Retzer ärgert sich und sagt deutlich: "Den Streik verstehe ich gar nicht. Er ist nur noch die Umsetzung einer Profilneurose bestimmter Personen. Es geht nur darum, dass sie ihre Macht erweitern." Wenn das so weitergeht, sieht der 38-Jährige den Punkt erreicht, an dem sich die Politik einschalten soll: "Es leidet mittlerweile die ganze Wirtschaft drunter."

Deutlich weniger Umsatz

Zum Beispiel die Buchhandlung am Bahnhof. "Wenn der Streik unbefristet sein sollte, wäre das für uns eine Katastrophe", ist sich Verkäuferin Martha Kraus sicher. Ihr Chef Manfred Wittmann bestätigt das und beziffert das Umsatzminus pro Streiktag auf gut und gerne 30 Prozent: "Das spüren wir schon deutlich."

Ganz andere Sorgen hat Waltraud Glöckner. Sie hat keine Lust darauf, schon wieder die Auswirkungen eines Arbeitskampfes über sich ergehen lassen zu müssen. Als die Fluglotsen im Ausstand waren, kam sie mit zweitägiger Verspätung aus dem Spanienurlaub zurück: "Ich hoffe jetzt, dass ich wenigstens den Zug kriege." Er soll die Lintacherin heute zur Tochter nach München bringen.

Ilse Dietl dagegen kann durchschnaufen. Die Neukirchenerin muss regelmäßig zum Arzt nach Amberg. Gestern hatte sie Glück, aber: "Ich hoffe, die streiken nicht bis Dezember." Dann ist ihr nächster Termin.
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