Streit, bis der Leichenwagen kommt

Sie haben Probleme im Umgang mit Mitmenschen.

Überschreitet es die Toleranzgrenze bayerischer Duldsamkeit, wenn jemandem in Aussicht gestellt wird, dass man ihn ins Jenseits befördert und dann "der Leichenwagen kommen kann"? Ja, befand Amtsrichterin Jacqueline Sachse.

Es ging um einen Nachbarschaftsstreit. Offenbar sehr einseitig ausgetragen und ausgelöst von zwei Eheleuten, die in einem Mehrparteienhaus nahe des Klinikums wohnen. In diesem Gebäude scheint zutreffend zu sein, was Wilhelm Busch einst so beschrieb: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."

Die Ehefrau war der Richterin bereits bekannt. Diesmal saß sie im Zuhörerraum. Ihr Mann musste die Anklagebank drücken. Der kam eines schönen Sommertages im letzten Jahr von der Arbeit heim und wurde von einer Hausbewohnerin (43) in wohl sehr sachlicher Art gefragt, weshalb es denn immer Zwist geben müsse. Dabei hob die Frau auf eine weitere Nachbarin ab, die offenbar recht oft schon unter verbalen Attacken zu leiden gehabt hatte.

"Unterste Schublade"

Der 47-Jährige ging zunächst in seine Wohnung, kehrte 15 Minuten später zurück, klingelte bei der 43-Jährigen und entlud ein Wortgewitter. Es richtete sich keineswegs gegen die Frau, sondern galt vielmehr der nicht anwesenden Mitbewohnerin. Die "Schlampe" werde "an die Wand geklatscht", posaunte der Mann laut durchs Treppenhaus. Dann, fuhr er wutschnaubend fort, "fließt Blut und der Leichenwagen kann kommen".

"Unterste Schublade", befand die 43-Jährige und informierte anderntags ihre verbal mit dem Tod bedrohte Nachbarin. Für die war das Maß voll. Eine Anzeige wurde geschrieben, der Staatsanwalt schaltete sich ein und ermittelte gegen den einschlägig wegen Bedrohung und Beleidigung vorbestraften Arbeiter. Das führte jetzt zum Prozess vor dem Amtsgericht und zur Zustandsbeschreibung des in die Schieflage befindlichen Haussegens.

Die verbal angegriffene 67-Jährige, alleinstehend und für ihren Hund sorgend, schilderte der Richterin ihren Kummer. Besagtes Ehepaar, klagte die Rentnerin, mache seit Jahren "Terror". Schimpf- und Schmähworte würden nicht nur gegen sie ausgebracht, sondern dazu auch gegen ihren Vierbeiner, der gerne als "Hundskrüppel" tituliert und mit baldigem Ableben bedroht werde. Ein schweres Dasein also, getrübt ferner mit Ausdrücken wie "Drecksau".

"Ich war auf 180", räumte der Angeklagte ein und gab seine Entgleisungen zu. Danach ließ der Mann entschuldigend erkennen: "Es war nicht so gemeint." Was folgte, beruhigte die Mitbewohner irgendwie. Denn zusammen mit seiner Frau, so ließ der 47-Jährige anklingen, sei er jetzt auf Wohnungssuche. Fort also aus dem ehrenwerten Haus und ein Ende des Unfriedens in Sicht. Da darf bei den Zurückbleibenden aufgeatmet werden.

"Ständig Öl ins Feuer"

"Sie haben Probleme im Umgang mit Mitmenschen", attestierte Staatsanwalt Tobias Kinzler dem Beschuldigten und listete auf: "Bedrohung, Beleidigung, ständig Öl ins Feuer gießen." Verteidiger Michael Lassmann sah das anders. "Wir sind alle gestandene Bayern", führte er der Richterin vor Augen. Da müsse "vieles nicht so ernst genommen werden". Zumal die Stimmung im Mehrparteienhaus aufgeheizt gewesen sei.

Richterin Sachse stellte sich an die Seite des Anklagevertreters. Sie verhängte 3600 Euro Geldstrafe wegen Bedrohung und Beleidigung. Die Buße darf in Raten beglichen werden.
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