Streit um Räum- und Streupflicht auf Restaurant-Parkplatz - Autofahrer zu schnell?
Per Rutschbahn vors Amtsgericht

Die Zufahrt zum Schnellrestaurant ist leicht abschüssig. Als es an einem Abend im Winter 2012 geschneit hatte, krachte das Auto eines Ambergers in der 90-Grad-Kurve gegen die Außenwand des Nachbaranwesens. Bild: Hartl
Dem Mann aus Amberg ist der Appetit ganz schnell vergangen.Der Heißhunger hatte ihn an einem Abend kurz vor Weihnachten 2012 veranlasst, mit seinem Auto ein Schnellrestaurant in der Regensburger Straße anzusteuern. Es hatte geschneit, die Straßen waren spiegelglatt. Als der 32-Jährige über eine leicht abfallende Zufahrt in den Parkplatz einbog, schlitterte sein Wagen gegen die Wand des Nachbaranwesens. Der Streit um den Schadenersatz landete vor dem Amtsgericht.

Der Autofahrer ist der Überzeugung, der Restaurantbetreiber hätte dafür sorgen müssen, dass der Weg geräumt und gestreut ist. Seinen Angaben zufolge war das nicht der Fall, mehrere Zeugen bestätigen dies. Das Gefälle der Zufahrt beträgt zwischen 6 und 6,4 Prozent, an der tiefsten Stelle müssen die Autofahrer zudem das Lenkrad einschlagen und eine 90-Grad-Kurve fahren, um auf den Parkplatz zu gelangen.

Wie der Anwalt des beklagten Unternehmens erklärte, sei ein Hausmeisterservice mit dem Winterdienst beauftragt. Ein Organisationsverschulden sei dem Restaurant deswegen nicht vorzuwerfen.

Würde dieser Vorwurf behandelt, müsste geklärt werden, wann der Hausmeister an jenem Abend zum letzten Mal mit Räum- und Streugerät unterwegs war. Protokolliert ist eine Zeit von etwa 20 Uhr. Die Kollision ereignete sich bei Minustemperaturen und Schneefall mehr als zwei Stunden später. "Wir sind der Meinung, dass ein Lokal so lange für das Räumen sorgen muss, solange es offen hat", sagte der Anwalt des klagenden Autofahrers. Möglicherweise steht ein Organisationsverschulden aber gar nicht zur Debatte, weil ein Gutachter errechnet hat, dass die abschüssige Zufahrt problemlos hätte bewältigt werden können, wenn der Fahrer mit einer Geschwindigkeit von nur fünf Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen wäre. Solches Schritttempo wäre der Witterung angemessen gewesen.

Zum Schaden von je 1200 Euro an Mauer und Auto kommen nun noch die Kosten für Gutachter und Justiz hinzu. Eine Entscheidung verkündet das Gericht in zwei Wochen.
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