Streit um Rauschgiftschulden endet blutig
Blutige Attacke vorm Bahnhof: Haftstrafe für Messerstecher

Auf dem Gelände vor der Bahnhofsunterführung kam es am 21. Juli vergangenen Jahres zu einer blutigen Attacke. Ein 34-Jähriger rammte seinem Widersacher (22) die Klinge eines Butterflymessers in den Rücken. Nun stand der Täter vor Gericht. Bild: Hartl

Es ging um ein paar Hunderter. Angeblich Geld, das für Rauschgiftschulden eingetrieben werden sollte. Auf dem Platz vor der Bahnhofsunterführung gerieten drei Männer in Streit. Plötzlich kam ein Messer ins Spiel. Damit wurde einem 22-Jährigen in den Rücken gestochen.

(hwo) Irgendwann platzte Richter Markus Sand der Kragen. "Wir haben hier jetzt drei Versionen", rüffelte er den 34-Jährigen auf der Anklagebank. Der Mann sollte erzählen, wie das am Abend des 21. Juli letzten Jahres war, als es zu den massiven Auseinandersetzungen kam.

"Eine lebensgefährliche Vorgehensweise", beschrieb im späteren Prozessverlauf vor dem Schöffengericht der Erlanger Rechtsmediziner Professor Peter Betz die blutig endende Attacke unweit des Bahnhofs. Von Vorsatz und bewusst ausgeführtem Stich mit einem in Deutschland verbotenen Butterflymesser wollte der Beschuldigte nichts wissen. "Ich muss da mit dem Messer abgerutscht sein", argumentierte er. Doch das stellte der Rechtsmediziner bei seinem Gutachten in Abrede.

Drei Versionen

Auf dem Gelände vor der Bahnhofsunterführung hatten sich drei Männer getroffen. Der "Gammlerplatz", wie ihn manche nennen, sah das befreundete Trio zunächst vereint beim Biertrinken. Plötzlich entbrannte ein Streit. Warum? Dazu gab es verschiedene Versionen. Die wahrscheinlichste: Der 34-Jährige hatte sich Tage zuvor erboten, für einen seiner beiden Kumpels 600 Euro beizutreiben. Sie resultierten offenbar aus Drogengeschäften. Doch er konnte das Geld nicht kriegen, obwohl ihm ein Hunderter als "Provision" versprochen worden war. Darauf wurde er harsch angesprochen und gefragt: "Was ist jetzt damit?"

Der verbalen Auseinandersetzung folgten Tätlichkeiten. Der 34-Jährige und ein 26-Jähriger, der das Geld haben wollte, gerieten aneinander. Eine Bierflasche zersplitterte am Boden. Mit einem Scherbenrest will der Ältere von beiden bedroht worden sein. Er zog ein Butterflymesser ("Ich hatte es zur Verteidigung dabei") und hielt es seinem Kontrahenten an den Hals. Das beobachteten aus einiger Distanz zwei Bereitschaftspolizisten, die zufällig vor Ort waren. Was anschließend geschah, konnten auch sie nicht mehr verhindern.

Der bei dem Bierkasten-Gelage anwesende dritte junge Mann wollte wohl schlichtend eingreifen. Daraufhin bekam der 22-Jährige die Klinge des Butterflymessers in den Rücken. Das merkte er erst, als sein T-Shirt plötzlich blutverschmiert war. Der Stich hatte eine klaffende Wunde verursacht. Sie musste im Klinikum genäht werden. Notwehr, weil der Täter angegriffen wurde? Für eine solche Argumentation bestand kein Raum.

Es wurde lange debattiert. Auch darüber, dass der 34-Jährige drogen- und alkoholabhängig ist. Der Amberger Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel bestätigte das und empfahl eine längerfristige Entzugstherapie für den Mann, der in der Vergangenheit mehrfach wegen Gewaltdelikten Strafen erhielt. Zuletzt kam er deswegen in Haft, weil er in Regensburg zusammen mit einem Komplizen 24 000 Euro Drogenschulden eintreiben wollte. Auch dabei hatte es einen erheblich Verletzten gegeben.

Plus Entzugstherapie

"Zu seinen Gunsten spricht nichts", argumentierte Staatsanwältin Franziska Bücherl. Sie forderte drei Jahre und neun Monate Haft und riet dem Schöffengericht danach, eine Entzugstherapie anzuordnen. Auf diese Maßnahme kam es auch Verteidiger Rainer Hauenstein in seinem Plädoyer an. Danach sagte der Angeklagte: "Im Gefängnis zu sein und während dieser Zeit Vater zu werden, ist das Schlimmste."

Das Schöffengericht verhängte dreieinhalb Jahre Haft, es schickte den Angeklagten außerdem in eine Therapie. Er will sie machen. "Schon wegen meines kleinen Sohnes", wie der 34-Jährige sagte. Der Richter meinte: "Das ist Ihre letzte Chance. Eine weitere gibt es nicht."
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