Szenen einer zerrütteten Ehe

"Eigentlich wollte ich nicht so schnell wieder ins Gefängnis", sagte er eher beiläufig zu einem Polizeibeamten. Dort sitzt der 47-Jährige seit über einem Jahr erneut. Der Grund diesmal: Er tötete seine Frau mit 15 Messerstichen.

Ist der Angeklagte tatsächlich im Verlauf einer tätlichen Auseinandersetzung von seiner Ehefrau mit einem Messer bedroht worden? "Sie hat es unter einem Sofakissen hervorgeholt", erfuhr das Schwurgericht von dem unter Mordverdacht stehenden Beschuldigten.

Stimmt das wirklich? Am zweiten Prozesstag wurden vornehmlich Polizeibeamte vernommen, die mit den Ermittlungen im Gebäude an der Rosenbühlstraße in Schnaittenbach und später bei der Kripo in Amberg befasst waren. Keiner konnte sich erinnern, dass der Mann so etwas zu Protokoll gab. Erst als Ende Februar 2014 in dem Haus eine sogenannte Tatortrekonstruktion ablief, brachte er diese Bedrohung erstmals ins Gespräch.

Was genau geschah in der Nacht zum 11. Februar letzten Jahres? Wie ging der Streit vonstatten, in dessen Verlauf die 38-jährige Mutter dreier Kinder eine Vielzahl von Stichen von ihrem Mann bekam? Welche Worte fielen dabei? Und vor allem: Wollte er sich von ihr trennen oder sie sich von ihm? In der Tatnacht soll die Frau von Scheidung gesprochen haben. Ihr Mann befand sich nach eigenen Angaben zu dieser Zeit bereits auf Wohnungssuche in Weiden.

Vieles ist mit dem Begriff "soll" behaftet. Es soll einen Liebhaber der 38-Jährigen gegeben haben. Angeblich ist er etliche Jahre jünger. Woher wusste das der Angeklagte? "Eines der Kinder hat mich gefragt, ob es nun einen zweiten Papa gibt." Da will er nachgebohrt und gehört haben: "Die Mama hat mit ihm geknutscht." Schlichtweg unvorstellbar, äußerte er, so etwas vernehmen zu müssen.

Der Mann, dem vom Beschuldigten die Nebenbuhlerrolle zugeschrieben wird, ist einer von den 70 Zeugen, die das Schwurgericht geladen hat. Zunächst aber wurden am zweiten Verhandlungstag Polizeibeamte gehört, die mit dem Fall befasst waren. Dabei ging es vorrangig um protokollarisch gemachte Aufzeichnungen. Konkret war im Verlauf von Vernehmungen die Frage gestellt worden: "Hat Sie Ihre Frau angegriffen?" Der 47-Jährige habe das verneint und wissen lassen: "Sie hat sich gewehrt. Ein kleiner Kampf." Er endete mit einem Blutbad.

Auch das hörten die Beamten: "Sie hat mich betrogen. Ich wollte um meine Ehe kämpfen." Die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber, um äußerste Genauigkeit bemüht, hakte nach und fragte: "Hat er in der Tatnacht auf der Dienststelle wissen wollen, wie es ihr geht?" Es stellte sich heraus: Er fragte nicht danach. Eines aber unterstrich der 47-Jährige: "Meine Frau ist fremd gegangen. Ich habe sie gestochen."

Oder in noch anderer Form: "Ich habe ihr das Messer reingehauen." Nicht nur ein Messer. Es waren vier, die zu dem Verbrechen benutzt wurden. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mordverdacht (99)März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.