Täter braucht Geld für Drogen - Gewalttätiger Übergriff auf der Schwarzenfelder Kirchweih
Raubverbrechen mit vier Euro Beute

Amberg in der Oberpfalz
12.12.2014
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Vor den Richtern saß ein junger Mann aus Schwarzenfeld, der nach längerem Aufenthalt in einer Jugendstrafanstalt nur wenige Wochen verstreichen ließ, ehe er ein Verbrechen des Raubs beging. Räuberische Erpressung ist auch dann ein Kapitaldelikt, wenn der Täter nur wenig erbeutet.

Im konkreten Fall, zu dessen Erörterung der Angeklagte aus seiner Haftzelle vorgeführt wurde, handelte es sich um lausige vier Euro. Das war die Barschaft eines 14-Jährigen, der heuer am 6. September im Festzelt der Schwarzenfelder Kirchweih von einem Mann angesprochen und barsch aufgefordert wurde mitzukommen. Der 14-Jährige weigerte sich, bekam daraufhin einen Faustschlag ins Gesicht und folgte seinem Peiniger zu einer Parkbank in der Nähe des Zeltes. "Ich hab' ihm eine gegeben", gestand der Angeklagte und schilderte, wie es weiterging.

Nicht viel drin

Das Opfer musste seine Geldbörse zeigen. Darin befanden sich vier Euro. Diese Münzen nahm der Räuber an sich, gab das Portemonnaie zurück und verschwand. Warum? Das Amberger Schöffengericht bekam die Antwort von dem 22-Jährigen: "Ich hätte Geld für Crystal Speed gebraucht." Lakonische Erwiderung des Vorsitzenden Markus Sand: "Mit den paar Euros sind Sie dann ja wohl nicht weit gekommen." Damit lag das Geständnis auf dem Tisch.

Es gab auch noch ein weiteres. Tags zuvor hatte der junge Mann auf dem Schwarzenfelder Kirchweihfest versucht, die geringe Menge von 0,1 Gramm Crystal Speed an ein Mädchen zu verkaufen. "Gewinnbringend", wie er einräumte. Doch aus dem Deal wurde nichts. "Räuberische Erpressung, Körperverletzung, Nötigung, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz", listete Staatsanwältin Franziska Bücherl auf und blätterte in den Vorstrafenakten des 22-Jährigen. Erst heuer im Mai war er wegen gewalttätiger Übergriffe nach zweieinhalbjähriger Haft vorzeitig aus der Jugendstrafanstalt Ebrach entlassen worden. Deshalb lag nun auch ein Bewährungsverstoß vor.

Mit Entzug

In seinem Gutachten hatte Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel empfohlen, einen Drogenentzug anzuordnen. Das geschah auch. Der 22-Jährige bekam zwei Jahre Haft ohne Bewährung, er kommt parallel dazu in eine Rauschgiftentzugsmaßnahme. Das Urteil entsprach dem Antrag der Staatsanwältin. Verteidiger Dr. Gunther Haberl (Schwandorf) hatte sich für eine nicht ganz so lange Haftstrafe ausgesprochen und ebenfalls den Drogenentzug bejaht. "Bewährung", unterstrich Richter Sand, "kam hier nicht mehr in Frage."
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