Tausche Füller gegen Hammer

Wie bekommt man eigentlich einen runden Ausschnitt für ein Rohr in eine Fliese? Der Schüler Joshua Berner demonstriert dem Konrektor Schönwerth-Realschule, Andreas Rupprecht, und Rektor Matthias Schall (Zweiter von links), was er an einem Werkstatt-Tag zur Berufsorientierung schon gelernt hat. Bild: hfz

Nicht für die Schule, für das Leben sollen Kinder im Unterricht lernen, heißt es gemeinhin. Das handfeste Ausprobieren unterschiedlicher Berufsfelder kommt da gerade recht.

Es war erstaunlich leise in der weitläufigen Werkshalle. Die Schüler der 8. Klasse der Schönwerth-Realschule arbeiteten offenbar konzentriert an ihren schwarz-weißen Fliesenmosaiken. Vitus Eichenseer, Ausbilder im Bereich Bau, stand ihnen als Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Seite. Die Jugendlichen hatten sich auf eine berufskundliche Entdeckungsreise begeben.

Das war unschwer zu erkennen, als Eichenseer unterschiedliche Techniken des Fliesenlegens erläuterte und zeigte, wie der lästige Zementschleier fachkundig entfernt wird. Das interessierte nicht nur die Schüler, sondern auch den Konrektor der Schönwerth-Realschule, Andreas Rupprecht: "Wenn ich das eher gewusst hätte, hätte ich mir beim Heimwerken ganz schön viel Arbeit sparen können", merkte er schmunzelnd an.

Rupprecht ist ein großer Befürworter des der schulischen Berufsorientierung: "Ein handwerkliches Praktikum ist für unsere Schüler von großem Wert und ein deutlicher Gewinn für ihren Ausbildungsweg, egal, welchen Beruf sie später erlernen." Auch die Jugendlichen waren mit Feuereifer bei der Sache. Praktisches Handwerken ist eben etwas ganz anderes als möglichst still dem Unterricht zu folgen. "Und dass man am Ende des Tages keine Hausaufgaben mehr machen muss", freut ein Mädchen ganz besonders.

Das Berufsorientierungsprogramm dauert insgesamt zweieinhalb Wochen und durchläuft unterschiedliche Phasen. Die sogenannten Werkstatt-Tage gehen dann ganz nah an die Praxis heran. So blieb es auch im Bildungszentrum der Handwerkskammer nicht bei einem Fliesenmosaik. Die Schüler lernen neben dem Bereich Bau auch die Fachrichtungen Metall, EDV, Holz, Elektro, Farbe und Kaufmännisches kennen. Auf die Frage, was sie denn einmal werden möchten, antworten die Jugendlichen sehr unterschiedlich. Von "weiß ich jetzt noch nicht" über "Maurer oder Schreiner" bis hin zu "Astronaut" waren nahezu alle Berufswünsche vertreten.

Eichenseer findet diese Offenheit gut: "Es ist schade, wenn sich Kinder zu früh für eine Sache entscheiden müssen. Der sichere Weg zum Traumberuf führt über das Ausprobieren. Wir möchten hier ein Gefühl für das Handwerk vermitteln. Übrigens ein Wirtschaftszweig mit besten Zukunftschancen und zahlreichen Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu einem Hochschulstudium."

Doch das war Zukunftsmusik. Vordringlich war erst einmal beim Mauern einer Säule, dass daraus kein schiefer Turm von Pisa wird.
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