"Tickende Zeitbombe" geht nicht zurück in Psychiatrie
Fünf Jahre Haft für üblen Schläger

Symbolbild: dpa

Ganz zum Schluss riet ihm die Richterin zu einer Sozialtherapie für Gewalttäter. Da lachte der soeben zu fünf Jahren Haft verurteilte Gewohnheits-Rechtsbrecher und ließ wissen: "Kommt für mich nicht in Frage."

Für den 31-Jährigen hätte der fünftägige Prozess vor dem Landgericht Amberg auch völlig anders ausgehen können. Mit einer erneuten Einweisung in die Psychiatrie oder mit fast sieben Jahren Gefängnis, die von Staatsanwalt Tobias Kinzler für eine "tickende Zeitbombe", wie er sagte, beantragt worden waren.

Stattdessen muss der seit seiner Kindheit auffällig gewordene Mann aus dem östlichen Kreis Schwandorf nun fünf Jahre hinter Gitter. In ihrer fast einstündigen Urteilsbegründung schilderte die Vorsitzende der Ersten Strafkammer, Roswitha Stöber, alle während des Verfahrens zur Debatte gestandenen Übergriffe:

Der Mann habe seine eigene Mutter rüde attackiert, die Lebensgefährtin mehrfach krankenhausreif geschlagen und einen Nachbarn so malträtiert, dass "für ihn Lebensgefahr bestand." Alles aus jähem Zorn heraus und ohne erkennbaren Grund. Noch dazu mit Waffen wie Kleiderbügel und einer langen Stange, die gerade greifbar waren. Wörtlich sagte die Richterin: "Nur glücklichen Umständen ist es zu danken, dass keiner zu Tode kam."

Unglückliche Umstände

Zu Beginn des letzten Jahrzehnts, so legte die Vorsitzende dar, habe ein Gericht den damals Heranwachsenden nach erheblichen Gewaltausschreitungen zu drei Jahren Haft und zur Einweisung in die Forensik verurteilt. Dort blieb er über viele Jahre hinweg. "Teilweise", wie die Richterin einräumte, "unter sehr unglücklichen Umständen." Man habe den jungen Mann 23 Stunden in eine Zelle gesperrt, ihn nur für kurze Zeit zum Hofgang herausgelassen.

Dann kam 2013 und damit ein sich fast aus dem Stand heraus ergebender Entlassungszeitpunkt. "Völlig unvorbereitet konnte er zurück in seinen Heimatort gehen." Und dort habe dann schon nach kurzer Zeit eine sich ständig steigernde Serie von ungewöhnlich brutalen Gewalttaten begonnen.

Erst in der Psychiatrie, nun ins Gefängnis? Die Strafkammervorsitzende erläuterte in ihrer Urteilsbegründung, dass zur erneuten Unterbringung keinerlei rechtliche Plattform bestanden habe. Zwei Gutachter hätten dies verneint und keine Veranlassung gesehen. Daran habe sich ein Gericht zu orientieren. Als dies vom Richtertisch aus gesagt und empfehlend angefügt wurde, der 31-Jährige solle die Haft zu einer Sozialtherapie für Gewalttäter nutzen, schüttelte der Angeklagte energisch mit dem Kopf. So etwas komme für ihn nicht in Frage, war zu vernehmen. Keine Einsicht, keine Reue, das eigene "Ich" im Mittelpunkt.

Sofort wieder hinter Gitter

Die Opfer wohnen zum Teil noch immer dort, wo sie drangsaliert und übel zugerichtet wurden. Ihr Peiniger musste per angeordneter Haftfortdauer sofort wieder hinter Gitter. Nicht auszuschließen, dass es nach seiner Entlassung erneut zu Übergriffen kommt. Dann aber hätte er Sicherungsverwahrung.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.