Tod des Babys bleibt ungeklärt

Das Schwurgericht in Amberg hat den 34-Jährigen freigesprochen, der in dem Verdacht stand, seiner sechs Wochen alten Tochter tödliche Verletzungen beigebracht zu haben. Zu einem Schuldspruch fehle der letztliche Beweis für eine Täterschaft, hieß es.

Vier Tage lang wurde um die Wahrheit gerungen. Mit immer wechselnden Facetten. Auf der Anklagebank ein junger Mann aus bestem sozialen Umfeld. In seinem Schlusswort sagte er weinend: "Ich hätte absolut niemals gegenüber meinen Kindern Gewalt angewendet."

Dann die andere Seite: Ein Baby, das an schwersten Verletzungen starb. Schädelbruch, Rippenfrakturen, Einblutungen, Gefäßabrisse. "Ich habe nie bei einer Obduktion so etwas Schlimmes gesehen", ließ der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl in seinem Plädoyer erkennen und ergänzte: "Dort, in diesem Haus, ist Furchtbares geschehen."

"Massives Schütteln"

Riedl hatte Recht. In dem Anwesen, das im östlichen Kreis Schwandorf steht, hat sich im Mai 2013 etwas ereignet, das die tödlichen Verletzungen des Säuglings hervorrief. "Durch massives Schütteln des Kindes und durch den Anprall des Kopfes an eine glatte Fläche", wie der Chefermittler der Anklagebehörde dem Schwurgericht darlegte.

Als Täter nahm Harald Riedl den 34-jährigen Vater ins Visier. Nur er könne nach Lage der Dinge Verursacher gewesen sein. In diesem Zusammenhang stellte sich der Leitende Oberstaatsanwalt auf den Standpunkt, dass die körperlichen Schäden des Mädchens nicht schon bei der Geburt sechs Wochen zuvor im Klinikum Weiden verursacht wurden. Dies tat später auch das Schwurgericht. Die Konsequenz aus Riedls Schlussvortrag war die Forderung auf sechs Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Das hörten sich die Richter an und vernahmen auch, was Verteidiger Dr. Klaus Przybilla sagte. Es gebe keinerlei Beweise dafür, das sein Mandant das Baby so misshandelte, dass es daran starb.

Ein Schütteln des zu dieser Zeit plötzlich nicht mehr atmenden Kindes räumte Przybilla für den Angeklagten ein. "Doch auch die hinzukommende Mutter hat ihr Kind geschüttelt, um zu sehen, ob da noch Leben in dem kleinen Körper ist." Die Forderung des Anwalts: "Der Mann muss freigesprochen werden."

Glaubhafte Aussagen

Viereinhalb Stunden beriet das Gericht. Dann verkündete es den von der gesamten Familie des 34-Jährigen herbeigesehnten Freispruch. Mit einer Begründung, die einleuchtete. "Wir wissen nicht, was in diesem Haus geschehen ist", unterstrich die Vorsitzende Roswitha Stöber.

Gleichwohl sei etwas passiert. Womöglich auch ein Unfallgeschehen. Das hatte der Angeklagte vier Tage lang strikt von sich gewiesen und - für viele auch sehr glaubhaft - wissen lassen, er habe nichts getan, um seinem Kind Verletzungen zuzufügen.

Nach dieser Entscheidung flossen Tränen, umarmte sich die eng zusammenhaltende Familie. Doch das Verfahren ist für sie noch nicht ausgestanden. Der Leitende Oberstaatsanwalt kündigte Revision zum Bundesgerichtshof an.
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