Tod des Babys noch ungeklärt

Sie weinten. Als seine Frau als Zeugin vor Gericht mit tränenerstickter Stimme nicht mehr reden konnte, nahm sie ihr Mann in den Arm. Sieht so jemand aus, der sein wehrloses Kind malträtierte? "Ich kann nichts gestehen, was nicht geschehen ist", sagte er.

Auch am zweiten Prozesstag gegen einen Familienvater aus dem östlichen Kreis Schwandorf blieb der Angeklagte dabei, dass er seiner sechs Wochen alten Tochter auf keinen Fall Verletzungen beibrachte. Angehörige und Freunde sagten über ihn übereinstimmend, er sei ein liebevoller Vater.

Der 34-Jährige war am Morgen des 18. Mai 2013 mit seiner erst zwei Wochen zuvor aus dem Klinikum Weiden zu ihren Eltern gegebenen Tochter für ein paar Stunden allein. Plötzlich setzte bei dem Säugling die Atmung aus. "Ich habe die Kleine ein Mal geschüttelt, um zu sehen, ob noch Leben im Körper ist", hatte der Familienvater eingeräumt. "Auch ich habe sie geschüttelt", ließ nun seine Frau (33) erkennen. Sie war gerade erst heimgekommen, als die unheilvolle Entwicklung ihren Lauf nahm.

Dramatische Szenen

In dem Haus, das dem Paar gehört, spielten sich dramatische Szenen ab. Rasch zu Hilfe eilte dabei eine nebenan wohnende Krankenschwester, die sofort Wiederbelebungsmaßnahmen einleitete. Dadurch könnten sich womöglich später bei der Obduktion festgestellte Schäden am Brustkorb des Babys erklären lassen. Doch woher stammte ein diagnostizierter Schädelbruch?

Es gibt Zeugen, die bemerkt haben wollen, dass das Kind vor diesem 18. Mai eine "unebene Stelle" am Kopf hatte. Andere sahen "blutunterlaufene Augen". Manches von dem, was sie dem Amberger Schwurgericht erzählten, kam so nie in die Polizeiprotokolle. Das machte den Leitenden Oberstaatsanwalt Harald Riedl stutzig. "Warum sagen Sie das jetzt und nicht schon viel früher?", hakte er nach. Den Richtern wurde auch der Verdacht nähergebracht, dass manche der Verletzungen womöglich schon im Klinikum Weiden entstanden sein könnten, als sich das Baby dort auf der Intensivstation befand. Das wurde von der Strafkammer ohne Wertung zur Kenntnis genommen. Umso mehr wird es nun auf die Schilderungen der medizinischen Gutachter ankommen.

Die Bewertung wird schwierig für das Schwurgericht. Die Familie befindet sich eng eingebunden in einem sozialen Umfeld, über sie wird nur Gutes berichtet. Vor allem das: "Leute, die sich um ihre Kinder kümmern." Außerdem die übereinstimmend von Zeugen gewonnene Erkenntnis: "Er hätte niemals Gewalt angewendet."
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