Tor-Tor-Torunarigha

Timo Rost hat ein goldenes Händchen: Drei Minuten nach seiner Einwechslung bereitet Michael Dietl das 2:0 vor. Später stellt der Trainer des FC Amberg das System um, zieht seinen Joker - und der sticht gleich zweimal.

Junior Torunarigha war acht Minuten auf dem Platz, als er das 3:1 erzielte, drei Minuten später machte er mit seinem zweiten Treffer den 4:1-Sieg des FC Amberg am Samstag in der Fußball-Regionalliga gegen den 1. FC Schweinfurt perfekt. Der richtige Riecher bei den Einwechslungen war ein schöner Nebeneffekt für Timo Rost, der aber aufs große Ganze blickte: "Wir haben gut verteidigt, Schweinfurt wollte nur Standards rausholen. Letztlich lag es an unserem kompakten Spiel und dass wir uns in diesem nickligen Spiel nicht den Schneid haben abkaufen lassen." Weniger erfreut, aber ähnlicher Meinung war Schweinfurts Trainer Gerd Klaus: "Der Amberger Sieg ist verdient. Unsere Fehlerquote war heute viel zu hoch. Wenn du so viele individuelle Fehler machst, kannst du nichts gewinnen."

Bei den Gastgebern stand fast die gleiche Startelf auf dem Platz wie bei der 3:4-Niederlage in Regensburg. Rost musste jedoch auf Frank Lincke verzichten (Bluterguss im Oberschenkel), für ihn rückte Sven Seitz in die Startformation, Thomas Schneider übernahm die Lincke-Position im defensiven Mittelfeld.

Alles andere als sattelfest

Nach einer kurzen Abtastphase beider Teams traf Marco Wiedmann zum 1:0 (10.). Vorausgegangen war eine technisch sehenswerte Vorlage von Tobias Wiesner. Schon da zeigte sich, dass die Gäste defensiv alles andere als sattelfest waren, Profit konnte der FC daraus in der ersten Hälfte jedoch nicht mehr schlagen. Die Hausherren ließen die Zügel dann etwas schleifen und Schweinfurt ab und an in Richtung des eigenen Tors kommen: Die beste Möglichkeit hatte Christopher Kracun mit einem Freistoß (23.), den Matthias Götz aber gut parierte. Ansonsten war aus dem Spiel heraus wenig von den Unterfranken zu sehen. Auf Amberger Seite hatten Kai Hempel und Tobias Wiesner innerhalb einer Minute (32.) noch zwei gute Chancen.

Einige Minuten nach Wiederanpfiff wurde Oliver Gorgiev nach einem schnell ausgeführten Freistoß mustergültig vom eingewechselten Michael Dietl bedient und erhöhte aus spitzem Winkel auf 2:0. Das hielt aber nur einige Minuten: Nach viel Durcheinander im FCA-Strafraum stand Marco Janz nach einem Freistoß genau richtig und brachte den Ball über die Linie (53.). FCS-Trainer Gerd Klaus setzte alles auf eine Karte, wechselte kurz nach dem Treffer gleich dreifach - sieht man auch nicht alle Tage. Einer dieser Neuen, Kevin Fery, prüfte in der 65. Minute Matthias Götz mit einem Weitschuss, doch der Amberger Torhüter lenkte den Ball um den Pfosten.

Was ein richtiger Joker ist, zeigte dann Junior Torunarigha. Der kam in der 61. Minute, Rost stellte das System auf ein 4-5-1 mit Torunarigha als einzigen Stürmer um - und das sollte sich bezahlt machen. Denn in der 69. Minute schüttelte Torunarigha seinen Verteidiger ab und schob eiskalt zum 3:1 ein. Nur drei Minuten später lief der Deutsch-Nigerianer erneut allein auf Gästetorhüter Christopher Pfeiffer zu und entschied die Partie mit seinem ersten Doppelpack für den FCA.

Rot nach Notbremse

In der 82. Minute stand Torunarigha, der kurz vor Schluss verletzt vom Feld musste, erneut im Mittelpunkt. Wieder war er allein in Richtung Gästetor unterwegs, im Gedrängel um den Ball lagen plötzlich der Schweinfurter Torhüter, der FC-Stürmer und FCS-Verteidiger Manuel Müller aufeinander. Torunarigha reagierte am schnellsten, wurde jedoch von Müller festgehalten - wenn wohl auch unabsichtlich. Dem häufig nicht souveränen Schiedsrichter Florian Riepl blieb keine andere Möglichkeit: Rot für Müller! Es war der unrühmliche Höhepunkt einer Partie, in der der FC Amberg zeigte, dass er sich auch vor erfahrenen Regionalligateams nicht verstecken muss. Durch den Sieg kletterten die Amberger wieder nach oben und belegen Rang drei.
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