Tour de Jazz Guitar

Das Publikum war begeistert vom Auftritt der vier Jazz-Gitarren-Virtuosen, entsprechend glühend fiel deshalb auch der Applaus der Zuschauer am zweiten Abend des Sommerfestivals im Innenhof der Stadtbibliothek aus. Bild: Steinbacher

Ungewöhnlich ist das schon - ein Quartett ausschließlich mit Gitarren. Mit "Night of Jazz Guitars" war der zweite Abend des Sommerfestivals überschrieben.

Im Innenhof der Stadtbibliothek bearbeiteten am Donnerstag die Gitarrenvirtuosen Ulf Wakenius, Michael Sagmeister, Andreas Dombert und Paulo Morello ihre Instrumente mit Können und großer Leidenschaft. Mit leicht dissonant gehaltenen Jazz-Harmonien und glasklar-perlenden Gitarrenarpeggien stiegen die vier Ausnahmemusiker in die Pedale zu einer mitreißenden Tour de Jazz Guitar.

Von Anfang an überzeugten sie. So viel Leidenschaft, so großartige Technik, so viel Virtuosität. Die Schikanen des kräftezehrenden Auftritts meisterten sie scheinbar mühelos. Was sie zum Besten gaben, war sensationell und definitiv eine Klasse für sich. Ob als Mannschafts-Fahrer oder Einzelkämpfer: Nach jedem Solo ernteten das Quartett Beifalls-Jubel.

Spürbar war der Spaß der Musiker, sich immer wieder in der Führung abzuwechseln und sich gegenseitig zu Höchstleistungen zu animierten. Das Wes-Montgomery-Medley dauerte gefühlte 30 Minuten. Auch in den anschließenden Kompositionen merkte man die vereinende, große Liebe auf deckungsgleichen Instrumenten, die miteinander kommunizieren, sich austauschen und einander begleiten.

Weitere Titel aus dem vielseitigen Trainingsprogramm folgten, nicht immer melodiös, aber spritzig und emotional aufgeheizt. Energiegeladen und hochvirtuos, dann furios und wild tobten sie durch eine Jazzlandschaft, die ihnen alles abverlangte: Bergetappe, groovende Balladen-Abfahrt, temporeiches Zeitfahren, halsbrecherische Steilkurve - das Quartett war immer dann am besten, wenn es volles Rohr strampelte und mit technischen Solo-Kabinettstückchen verblüffte. Als Lead- und Sologitarristen lösten sie sich in fliegendem Wechsel ab. Dabei zeigte sich, dass alle vier in unterschiedlichen Formationen wunderbare Virtuosen und glänzende Improvisationskünstler sind.

Gemeinsam zauberten sie Stimmungs- und Klangbilder aus ihren Gitarren hervor, benutzten ihr Instrument ab und zu zur Percussion und tänzelten auch schon mal im selbst komponierten Walzertakt daher. Der Sound ist vielfältig, das Outfit dunkel. Und doch wurde es eine helle Amberger Nacht. Einerseits, weil ein kugelrunder Vollmond wie ein gelber Lampion am Himmel hing, andererseits weil die vier Vollblutmusiker ein Feuerwerk an Gitarren-Jazz in den Äther schickten, das seinesgleichen sucht.
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