Trauma rasch erkennen

Die Flüchtlingskrise bringt das Thema auf die Tagesordnung: Viele Menschen sind traumatisiert. Doch das gilt nicht nur für die Opfer von Krieg und Vertreibung. Oft leiden auch die Betroffenen von sexuellen Übergriffen und Gewalt unter Traumata. Damit befasste sich eine Fachtagung gestern in Amberg.

Sie rückte besonders Kinder und Jugendliche in den Blickpunkt, denn sie trauen sich meist viel weniger über ihre verstörenden Erlebnisse zu sprechen als Erwachsene, vor allem, wenn es um sexuelle Vorfälle geht. Ihre Anzahl ist erschreckend hoch, wie Volker Dittmar, Psychologe von der psychiatrischen Tagesklinik des Bezirksklinikums Regensburg und Gesellschafter des Trauma-Instituts Süddeutschland, bei einem Pressegespräch sagte.

Im Kindesalter schon Opfer

10 bis 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in der Bundesrepublik erleben nach seiner Auskunft sexuelle Grenzüberschreitungen oder gar Gewalt von Erwachsenenseite. Weil daraus oft Traumata entstehen, die obendrein in vielen Familien tabuisiert werden, ist es nach den Worten des Experten wichtig, Erkennungssignale wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Das ist häufig die Aufgabe von Menschen außerhalb der Familie, wenn im eigenen Zuhause eisernes Schweigen herrscht oder gar der Täter sitzt. Teilnehmer der Fachtagung - sie wurde vom Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt im regionalen Steuerungsverbund Amberg-Sulzbach organisiert - waren deshalb viele Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter, aber auch Ehrenamtliche und Mitarbeiter der Fachstellen, die bei dem Treffen obendrein ihre Vernetzung förderten. Sie bekamen von Dittmar in Vorträgen und Workshops Tipps an die Hand, wie man Traumata erkennt, damit umgeht und dem Betroffenen weiterhilft.

Rechtzeitig handeln hilft

Klassische Symptome sind neben Angst und panikartigem Verhalten oft auch subtilere Zustände wie emotionale Taubheit, Gefühlsabstumpfung oder das Gegenteil: ständige Aufgeregtheit, Dauerstress und Konzentrationslosigkeit. Dittmar ist froh, dass solche Diagnosen seit rund 20 Jahren als Traumata erkannt werden und nicht mehr nur als psychische Störung rangieren. Wenn nämlich nach dem Vorfall zeitnah reagiert, mit dem Opfer gesprochen und die Aufarbeitung begonnen wird, muss es nicht zu schwerwiegenden psychischen Erkrankungen kommen.
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