"Traumfabrik" im ACC - Juwel aus Varieté und Tanz
Grandios und traumhaft schön

Da gehst du glatt die Wand hoch, so schön ist nicht nur diese Nummer, sondern die ganze Show der Traumfabrik. Tatsächlich gingen die Künstler hier an der "Catwall" wie Katzen die Wände hoch, worüber ihre Kollegin im Fenster etwa zwei Meter über dem Boden staunt, um dann natürlich Gleiches zu tun (linkes Bild). Bild: Hartl

Der Stoff, aus dem die Träume sind, wird in einer Fabrik produziert, die Spaß am Weben farbenfroher und feinster Garne hat. Was sie dann ihrer in Scharen herbeiströmenden Kundschaft anbietet, ist beste Ware. Drei Mal wurde sie am Dienstag und am Montagabend im ACC offeriert.

Wie macht dieser Rainer Pawelke das nur? Auch nach Jahrzehnten ist seine "Traumfabrik" ein Juwel geblieben, nie in die Zweitklassigkeit gerutscht. Eine Mischung aus Varieté und Tanz, gepaart mit einem kräftigen Schuss circensischer Kunst und Nummern, die gleichsam in Schwerelosigkeit schwelgen. Immer neu in ihrer Zusammensetzung und gegeben von einem Team, das in der Company des Regensburger Sportdozenten Knochenarbeit leistet.

Kosmos des Surrealen

Vorstellungen, auf die man sich jedes Jahr freuen darf. Weil sie mitnehmen auf eine Reise in die Welt der Fantasie. Ohne Knalleffekte und Pyrotechnik, beherrscht von bunter Gaukelei und tief hinein führend in einen Kosmos des Surrealen, an dem auch Meister Salvador Dalí seine Freude gehabt hätte.

"Schafft mehr Traumfabriken", hatte Dieter Hildebrandt einmal gesagt. Man muss ihm zustimmen und ergänzen, dass dieses amüsante wie oft auch atemberaubende Treiben von einer multinationalen Truppe serviert wird.

Bänder flattern rhythmisch zu Smetanas "Moldau" durch die Luft, silberne Foliengipfel mutieren zu Straußenvögeln, Kartons verschieben sich wie von Geisterhand auf der Bühne und Akrobaten gehen via Trampolin an einer Hauswand hoch. Einkaufswagen aus dem Supermarkt werden zur attraktiven Requisite, afrikanische Trommeln laden das Publikum zum Mitmachen ein, Astronauten schweben im Zeitlupentempo und spielen sich einen Ball zu. Schwerelos und losgelöst von der Erde. Eine faszinierende Show.

In Las Vegas, sagte Pawelkes Sohn Ingo zum Schluss, hätte man sie höchstwahrscheinlich mit weitaus mehr technischem Aufwand produziert.

Mit einfachen Mitteln

Doch gerade das ist ja das Sensationelle an der "Traumfabrik": Träume wahr werden zu lassen mit einfachsten Mitteln. Eine sanfte Entführung ins Reich des schlichtweg Unfassbaren ohne Computer-Labyrinth und digital erzeugte Effekte. Schlichtweg grandios und traumhaft schön. Respekt, Pawelke! Und Beifall für seine Mannschaft.
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