Trotz der 3:4 (0:2)-Niederlage beim SSV Jahn Regensburg tritt der Neuling couragiert vor einer ...
Ein Abend der Komplimente für den FC Amberg

Bild: Hubert Ziegler

Es läuft die 94. Minute: Schon längst sitzt auf der Auswechselbank des Fußball-Regionalligisten FC Amberg niemand mehr. 60 Sekunden davor hat Christian Knorr den Treffer zum 3:4 erzielt, der große Favorit SSV Jahn Regensburg wackelt und steht trotz einer 4:1-Führung vor einem Punktverlust: FCA-Präsident Helmut Schweiger, Trainer Timo Rost, Teammanager Hubert Kirsch und Sportlicher Leiter Bernd Scheibel feuern ihre Jungs an, treiben sie nach vorne.

Dann ist Schluss. Der Spitzenreiter siegt vor 12.689 Zuschauern – übrigens ein neuer Rekord für die Regionalliga Bayern – in der Continental-Arena und fügt den Vilsstädtern, die davor 30 Pflichtspiele lang ungeschlagen waren, seit dem 3. Oktober 2014 (1:4 in Neudrossenfeld) wieder die erste Niederlage zu. Eine Niederlage, die bei einem etwas mutigeren Auftritt in der ersten Halbzeit durchaus vermieden hätte werden können.

Dennoch: Wie sich der Aufsteiger aus Amberg am Freitag präsentiert hat, ist aller Ehren wert. Als Dank dafür feiern die rund 3000 mitgereisten Anhänger der Gelb-Schwarzen ihr Team nach dem Abpfiff noch minutenlang – Gänsehaut pur. Der FC Amberg ist eine Bereicherung für diese Liga. „Das war ein riesen Erlebnis“, weiß FCA-Kapitän Michael Plänitz, der für seine Farben in der 85. Minute das 2:4 machte. Zuvor hatte der SSV Jahn Regensburg durch die Treffer von Uwe Hesse (4.) und Markus Ziereis (13., 62., 72.) sowie des Gegentreffers von Silas Göpfert (61.) mit 4:1 geführt. „Trotz der Niederlage hat es richtig Spaß gemacht. Denn unsere Truppe hat nie aufgesteckt und immer weiter gemacht. Leider hat es nicht ganz Punkten gereicht. Aber man muss halt auch anerkennen, dass der Jahn schon eine gewisse Qualität hat“, sagt Plänitz.

Hitzeschlacht im schwül-warmen Glutofen „Continental-Arena“: Der Fußball-Regionalligist FC Amberg hat nach 30 ungeschlagenen Spielen in Folge eine Niederlage kassiert. Im Oberpfalz-Derby am Freitagabend vor 12.689 Fans – neuer Zuschauerrekord fürs bayerische Amateur-Oberhaus – unterlag die Elf beim starken Spitzenreiter SSV Jahn Regensburg. (Bilder: Hubert Ziegler)

In der Tat, wobei sich die Freude bei den Regensburger Akteuren trotz des Sieges irgendwie in Grenzen hielt. Innenverteidiger Thomas Kurz spricht nach dem Abpfiff von einer „gefühlten Niederlage, weil man einen sicher geglaubten Heimsieg noch in Gefahr gebracht habe“. Drei Gegentore seien einfach zu viel. Rechtsverteidiger Oliver Hein ist etwas positiver gestimmt: „Das einzig Negative ist, dass wir die Gegner immer noch schnuppern lassen. Aber das Spiel war Werbung für den Fußball in der Oberpfalz, jeder Zuschauer ist auf seine Kosten gekommen.“ Dreifach-Torschütze, der nun schon sechs Treffer in der Liga erzielt hat, ist mit seiner Ausbeute zufrieden. Aber: „Der Mannschaftserfolg steht im Vordergrund. Gerade im Derby dreimal zu treffen, ist aber schon ein besonderes Gefühl.“

Es ist, unterm Strich, ein Abend der Komplimente. Es gibt Lob für die Zuschauerkulisse, für den SSV Jahn und natürlich auch für den FC Amberg. Von höchster Stelle. „Der Fußball boomt weiter und dank der Strukturreformen im Amateurfußball geht es auch in den oberen Amateurligen positiv voran. Jahn gegen Amberg – das war ein Spiel, das Ostbayern elektrisierte“, bilanziert Dr. Rainer Koch, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), der mutig nach vorne blickt. „12.689 Zuschauer – ein neuer Rekord für ein Spiel der Regionalliga Bayern. Ich sage voraus: Diese Zahl wird am Ende der Saison nicht mehr die Rekordzahl sein. Die Regionalliga Bayern entwickelt sich weiter prächtig. Und es wird mindestens ein spannender Zweikampf an der Spitze werden mit vielen weiteren Teams, die die Vorderen in Bedrängnis bringen werden.“

Eine dieser Mannschaften ist zweifelsohne der FC Amberg, für dessen Verantwortliche der Auftritt ihrer Jungs sowie das Drumherum in der neuen Continental-Arena Mut für die Zukunft macht. „Ein riesen Kompliment an meine Truppe. Es ist nicht selbstverständlich, nach einem 1:4 so zurückzukehren. Wir haben vielleicht die ersten 20 Minuten etwas zu ängstlich und nervös gespielt“ resümiert FCA-Coach Rost. Aber das sei bei dieser Kulisse und dem Umfeld auch menschlich. „Wenn wir nach dem Anschlusstreffer nicht gleich das 3:1 bekommen, dann glaube ich, hätten wir mehr mitnehmen können“, so der Amberger Trainer weiter.

„Es war ein kurioses Spiel. Gerade nach der zweiten Halbzeit bin ich sehr stolz auf meine Elf. Wenn das Spiel noch fünf Minuten länger dauert, haben wir vielleicht sogar noch die Möglichkeit, den Ausgleich zu machen.“ Es sei sehr schade, wenn man auswärts bei einer Profimannschaft drei Tore erzielt und keinen Punkt mitnimmt. Ein fettes Lob kommt auch vom Regensburger Trainer Christian Brand in Richtung FC Amberg. „Ich habe meinen Jungs gesagt, dass das Spiel erst gewonnen ist, wenn der FC Amberg im Bus nach Hause sitzt. Ich bin jedoch nicht unglücklich über die Gegentore, somit sieht mein Team, dass es kein Selbstläufer ist, und es weiterhin eine harte Arbeit bleibt.“

FCA-Präsident Helmut Schweiger, der zusammen mit Marketing-Vorsitzenden Frank Käfer für dieses Spiel kurzfristig seinen Gardasee-Urlaub unterbrach, sieht die Niederlage gegen den Jahn mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das Spiel sei ein wunder schönes Erlebnis für die Stadt Amberg und all diejenigen, die den Fußball lieben, gewesen. „So eine Atmosphäre in einem wunderschönen Stadion habe ich persönlich noch nicht erlebt. Es konnte nicht schöner sein“, sagt Schweiger. Auch wenn es „sein FC“ dieses Mal nicht geschafft habe: Man sehe sich immer zweimal im Leben. „Ich bin mir sicher. Alle in Amberg und in der Umgebung sind stolz auf diese Mannschaft. Man kann gar nicht hoch genug anrechnen, was diese Truppe und all ihre Mitstreiter drum herum in den letzten Jahren gearbeitet und erreicht haben.“

Den Amberger Präsident ist stolz – zu recht: Auf das Team und auch auf die Unterstützung, die er aus „dem Umfeld und der Politik zur Zeit erfahren darf“. Und er verspricht: „Wir werden weiter hart mit unseren bescheidenen Mitteln arbeiten, um unseren Zuschauern und Gönnern einen schönen Fußball in Amberg zeigen zu können.“

In die gleiche Kerbe schlägt Marketing-Vorsitzender Käfer, der den FCA-Fans ein dickes Lob zollt. Passend zum Rahmen sei deren Auftritt gewesen. „Ich dachte, ich bin in der Arena in Dortmund. Eine ganz tolle Unterstützung für unsere Mannschaft.“ Schade sei nur, dass man beim FC Amberg diesen Fanblock in diesem Umfang nicht habe. „Hoffentlich haben die vor Ort gewesenen Stadträte diese Message auch bekommen“, so Käfer, der zur 20-köpfigen Amberger Delegation um Oberbürgermeister Michael Cerny gehörte, die vor dem Derby von Regensburgs OB Joachim Wolbergs empfangen worden war. „Mit einem Bruchteil des Invests in Regensburg könnten wir auch am Schanzl noch bessere Bedingungen schaffen.“

Wolfgang Gräf, Prokurist der Sportpark GmbH, hat in seiner Zeit als Geschäftsführer beim SV Wehen-Wiesbaden und bei der SpVgg Greuther Fürth schon viele tolle Fußballspiele erlebt, gerät aber angesichts dessen, was in der Continental-Arena passierte, dennoch ins Schwärmen: „Dieses Derby war für den Verein, die Mannschaft, die Fans und die Verantwortlichen ein riesiges Erlebnis.“ Ohne Punkte aus Regensburg heimzukommen, möge für viele, die dabei gewesen seien, aufgrund des imposanten Erlebnisses, in Ordnung gewesen sein, sagt Gräf, den es in der Schlussphase der Partie, wie so viele, nicht mehr auf seinem Sitz hielt.
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