Türsteher im Video-Format

Deutlicher geht es kaum: Wer in den Windfang des Beruflichen Schulzentrums tritt, sieht sich mit diesem Zeichen konfrontiert. Doch nach der Aula, die als Foyer dient, ist es mit den Aufnahmen vorbei. Bild: Hartl

Keine Sicherheitsdebatte ohne die Forderung nach mehr Video-Überwachung. Gilt das auch für Schulen, die doch eher Schonräume für Kinder und Jugendliche sein sollten? Da kommt eine Diskussion in Gang.

(zm) Kräftig befeuert hat sie Bayerns oberster Datenschützer, Thomas Petri. Er kündigte am Wochenende nach Berichten über einen womöglich zu lockeren Umgang mit Überwachungstechnik an bayerischen Schulen in deutlichen Worten eventuelle Konsequenzen für die Verantwortlichen an. Wesentlich entspannter sehen das die, die es eigentlich wissen müssten, was da läuft: die Leiter hiesiger Schulen und die zuständigen Aufsichtsbehörden.

Schulamtsdirektor Peter Junge (zuständig für Grund- und Mittelschulen im Landkreis und der Stadt) und der Amberger Schulamtsleiter Wolfgang Meier winkten am Montagvormittag ab. Ihnen sei kein Fall bekannt, betonten beide übereinstimmend. Zudem gehen sie davon aus, keine Zustimmung erteilen zu müssen. Ein stichpunktartiger Rundruf bei Schulen in der Stadt ergab ein recht differenziertes Bild.

Offener Umgang

Die Bandbreite der Reaktionen reichte von "kein Thema" bis "ja, haben wir, aber in völliger Übereinstimmung mit den Vorschriften". Von Letzterem ist Martin Wurdack überzeugt. In dem von ihm geleiteten Beruflichen Schulzentrum gibt es eine Video-Überwachung im Eingangsbereich und der Aula. Die Aufnahmen werden offenbar auch eine gewisse Zeit gespeichert, weil das Material laut Wurdack ("Die waren froh darüber") einmal im Zusammenhang mit polizeilichen Ermittlungen nach einem Einbruch eine Rolle gespielt hat. Ansonsten, davon geht der Schulleiter aus, habe alles seine Richtigkeit. Auf die Überwachung ausschließlich im Aula-Bereich werde ausreichend hingewiesen. Sie sei eine Reaktion auf den Amoklauf an einer Realschule in Winnenden 2009 gewesen.

Zur Einlasskontrolle

Zudem kommt nicht jede Video-Kamera auch einer Video-Überwachung im datenschutzrechtlichen Sinne gleich. Darauf verwies ausdrücklich Peter Welnhofer, Leiter des Gregor-Mendel-Gymnasiums. Sein Haus verfügt seit Ende vergangenen Jahres über drei technisch überwachte Eingänge, der Innenbereich der Schule sei tabu. Diese mit dem Datenschutzbeauftragten der Schule abgestimmte Anlage gehe mithin nicht über den Status einer Einlasskontrolle hinaus, betont Welnhofer.

Diese Sicherheitsmaßnahme gibt es bei den kirchlichen Dr.-Johanna-Decker-Schulen (Realschule, Gymnasium) schon seit Jahren. Ihre Leiterin, Renate Gammel, will es dabei auch belassen. Aus ihrer Sicht wäre es ein allzu krasser Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Kinder und Jugendlichen, wenn es quasi im Innenleben der Schule eine Video-Überwachung gäbe. Ähnlich sieht es Peter Seidl, der an der Spitze des Erasmus-Gymnasiums steht. Bei ihm im Haus gibt es keine Beobachtungstechnik und auch "keine Notwendigkeit". Dass sich eine Schulleitung zu solchen Überlegungen veranlasst fühlen könnte, das vermag er allerdings nachzuvollziehen.

Ab und zu Thema

Wolfgang Wolters, Leiter des Max-Reger-Gymnasiums, hat das schon ein paar Mal tun müssen. Bei der Eingangstüre für das Internat ("Das ist bei uns ein Sonderfall") seien konkrete Überlegungen in Richtung Einlasskontrolle angestellt, dann aber verworfen worden, erzählt er. Auch der Fahrradkeller stelle ab und zu ein Problem dar. Dann würden sogar bei Eltern Stimmen nach einer Video-Überwachung laut. Bisher seien diese Diskussionen aber recht schnell wieder abgeklungen.

Nach den Meldungen von Wochenende haben aktuell offenbar die Schulen ohne jegliche Video-Kamera, darunter auch die Schönwerth-Realschule und Dreifaltigkeits-Mittelschule, die wenigsten Probleme. Denn hinter den Kulissen sind die zuständigen Behörden am Montag aktiv geworden. Auch die Regierung der Oberpfalz hat sich auf die Suche gemacht, wo die publizierten Verstöße gegen datenschutzrechtliche Vorschriften auszumachen seien
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